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Weihnachtsgeschichte 2016: Die dunkle Seite von Weihnachten

Ollis Weihnachtsgeschichte 2016 - Die dunkle Seite von WeihnachtenWie in jedem Jahr wünscht sich die Familie Staude ein besinnliches Weihnachtsfest. In diesem Jahr scheint es ein ganz besonderes Fest zu werden. Die Adventzeit jedenfalls verläuft verheißnisvoll, doch dann kommt die Böse Seite. Aber lesen Sie selbst…

Rückblick

Familie Staude hatte die Aufregung um das vergangene Weihnachtsfest relativ schnell überwunden. Um ein Haar hätten sie fast ihr Haus an einen Betrüger der besonderen Art verloren. Erst bei der Beurkundung wurde der Kaufvertrag gestoppt, so dass die Staudes nun neben ihrem alten Haus auch noch den als Ersatz erworbenen Bungalow als Domizil hatten.

Familie Staude, das waren Vater Arno, Mutter Christa, und die vier Kinder. Die älteste Tochter Sabine, mit ihrem Lebensgefährten Chris. Sohn Malte, ein liebenswerter Tunichtgut, der seit einiger Ewigkeit als Student der Rechtswissenschaften an der Universität eingeschrieben war und wahrscheinlich noch eine lange Zeit vor sich hatte. Dann war da die zweite Tochter Anna. Sie war sehr hübsch und wusste diesen Reiz auch richtig für sich einzusetzen. Vater Arno gefiel das zwar nicht, er wusste aber auch, dass Anna diesen Reiz schon das eine oder andere Mal in einer sehr zielführenden Weise eingesetzt hatte. Dann war da noch Alex. Er war ein Eierkopf.

Die meiste Zeit verbrachte er vor dem Computer oder in anderer Weise im Internet. Freunde hatte er früher eigentlich keine. Er wurde regelmäßig gehänselt und geschnitten, gleichwohl auch von seinem Bruder. Doch in den letzten Jahren hatte er sich ein wenig gewandelt. Er studierte nun weit weg von zu Hause und hatte sogar eine Freundin. Sie war zwar nicht die schönste im Dorf, aber sehr nett. Besonders Malte wurmte es, dass sein kleiner Bruder eine Freundin hatte. Ihm selbst war das Glück, mit Ausnahmen, nicht so hold.

Zur Familie gehörte noch die Hausgans Staude, die schon seit vielen Jahren in der Familie lebte und der Hund Stromer. Außerdem waren da noch Oma und Opa, die Eltern von Christa. Die beiden wohnten zwar in einer anderen Stadt, hatten aber viel Kontakt zu der Familie. Für Arnos Geschmack etwas zu viel. Die Enkel aber mochten Oma. Ob das nur daran lag, weil sie sehr wohlhabend und sehr großzügig war, blieb das Geheimnis der Kinder.

 

Der Bungalow

Sabine überraschte ihre Eltern im Februar damit, dass sie und ihr Verlobter Chris in den Bungalow einziehen wollten, den die Eltern im letzten Jahr für sich gekauft hatten und nun doch nicht einziehen wollten. „Hört mal“, sagte sie, „Chris und ich wollen nun endlich eine Familie gründen. Wir wollen ein Haus haben, einen Kombi und ein Baby.“ Arno war fassungslos.

Diesen Plan hatte er von Sabine schon einmal gehört. Zum Glück hatte sich damals dieser Plan seiner Auffassung nach zerschlagen. Aber jetzt hörte es sich sehr ernst an. Bevor er weiterdenken konnte, geschweige denn seine Argumente formulieren konnte, rief seine Frau schon aus: „Phantastisch! Hach! Ich freue mich so!“ Arno war fassungslos. Doch Christa machte weiter: „Ach Arno, da habe wir vier Kinder und jetzt endlich sollen wir Großeltern werden. Ich hatte schon befürchtet, dass ich das gar nicht mehr erlebe! Wir freuen uns!“ Als Arno hörte, dass „wir uns freuen“, kam ihm der letzte Schluck Kaffee wieder hoch.

 

Er schätzte seine Tochter und vor allem diesen Chris als arbeitsscheues Gesindel sein. Diese Annahme war nicht ganz falsch, wie sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hatte. Aber was sollte er nun machen? Zögerlich warf er ein:“ Toll. Das ist ja toll.“ Dann verging eine geraume Zeit und alle schauten ihn an. „Toll“, wiederholte er und strichelte Staude und Stromer. Die beiden hatten gemerkt, dass es ihrem Herrchen unwohl war und spendeten Trost.

So kam es wie es kommen musste. Sabine und Chris zogen in den Bungalow und wann immer Arno in den nächsten Monaten Christa fragte, ob die Miete denn auch bezahlt sei, hörte er, dass die beiden doch nun andere Dinge im Kopf hätten.

Arno erinnerte sich, dass die beiden vor zwei Jahren versucht hatten, eine Bäckerei zu führen. Das ging zwar kräftig in die Hose, aber Christa hatte das Geschäft in die Hand genommen und zu einer einträglichen Goldgrube ausgebaut. „Schön und gut“, sagte er zu seiner Frau, „aber dann können sie doch wenigsten wieder in einer Bäckerei mitarbeiten.“ „Nein, nein“, entgegnete Christa, „die Bäckerei läuft auch so sehr gut.“ „Na schön“, seufzte Arno.

 

Ruhe vor dem Sturm

Das Jahr verlief ansonsten ohne größere Auffälligkeiten. Christa und Arno verbrachten zwei schöne Urlaube. Sohn Malte bot sich generös an, in der Zeit auf Staude und Stromer aufzupassen. So wusste er, dass er einen vollen Kühlschrank vorfinden würde, zudem hatte er eine Ausrede, wenn er wieder einmal die Klausuren in der Uni nicht mitschreiben konnte.

Anna flog noch immer als Stewardess durch die Welt und stand auf eigenen Beinen. Nur einmal im Sommer gab es einen merkwürdigen Vorfall. An einem Sonnabendmorgen als Arno die Zeitung ins Haus holen wollte, stellte er fest, dass der Vorgarten durch Reifenspuren verwüstet war. Er folgte den Spuren und entdeckte dann an der Grundstücksgrenze einen Mini. Darin saß eine blonde, gutaussehende Frau im besten Alter. Arno dachte zunächst an einen Unfall und sprach die Dame, die sich mit ihrem Mini hoffnungslos zwischen den Tannen verkeilt hatte, an.

Es stellte sich bald heraus, dass es sich nicht um einen Unfall gehandelt hatte. Die Dame war die Ehefrau eines Flugkapitäns und hatte auf seinem Telefon eindeutig mehrdeutige Nachrichten von einer Anna Staude gelesen. Sie wollte sich einfach rächen. Arno hatte dafür sogar Verständnis.

Als dann noch Malte dazukam, hatte Arno das Gefühl, dass sie sich am liebsten mit gleicher Münze bei ihrem Ehemann gerächt hätte. Das jedoch erinnerte ihn zu sehr an die Nachmittagssendungen im Fernsehen, die er und Christa so gerne sahen, dass er so etwas nicht zulassen wollte. Gemeinsam schoben die den Mini aus den Tannen heraus und verabschiedeten die Fahrerin. Christa wurde nur das Notwendigste erklärt und Arno erfuhr später, dass Anna den Piloten wieder verlassen hatte. Von Sohn Alex hörte seine Eltern nicht viel, er studierte fleißig und kam nur unregelmäßig nach Hause. Zurück blieb jedoch ein Durchgang in den hinteren Teil des Gartens.

 

Besuch im Herbst

im Oktober kamen Oma und Opa zu Besuch. Sie blieben zwar nur vier Tage, aber auch diese vier Tage waren für Arno schon zu viel. Mit Opa verstand er sich gut. Aber auf seine Schwiegermutter hätte er gut verzichten können. Zum einen lag es daran, dass sie immer wieder durchblicken ließ, dass er nicht ihr Wunschschwiegersohn gewesen war, zum anderen wurmte es ihn, dass sie die Kinder finanziell so unterstützte. Vor allem jedoch störte ihn an den Besuchen so sehr, saß Oma immer wieder versuchte Staude im wahrsten Sinne des Wortes den Hals umzudrehen. Oma konnte nicht verstehen, wie man mit einer Gans in einem Haus leben konnte. Für die gehörte eine Gans in den Ofen, in den Topf, auf den Grill oder ihretwegen auch in den Thermomix. Mehrere Mordanschläge konnten meist nur im letzten Augenblick verhindert werden.

Omas Besuch war daher regelmäßig Stress pur für einige der Staudes. Also wurden vor dem Eintreffen von Oma alle gefährlichen Gegenstände weggeräumt und dreifach gesichert weggeschlossen. Auch Oma musste sich wie immer einer Leibesvisitation unterziehen, das Gepäck wurde selbstverständlich ebenfalls gründlich gefilzt. Es fanden sich nur zwei Messer, eines offen im Handgepäck. Ein Ablenkungsmanöver, wie Malte wusste. Malte und Sabine waren für die Durchsuchungen zuständig. Sabine wurde über den Fund informiert und tatsächlich fand sich noch ein kleinerer Dolch, eingenäht in die Unterwäsche. Dennoch, Arno hatte das Gefühl, dass Oma nachgelassen hatte. Unklar blieb ihm, ob ihres Alters oder der Tatsache, dass sie sich vielleicht doch an Staude gewöhnt hatte, geschuldet war. Er wollte das erst einmal beobachten.

 

Weihnachtliche Gedanken im Herbst

Oma und Opa waren im Urlaub in den USA gewesen und berichteten von einer Weihnachtsausstellung, die sie dort gesehen hatten. „Riesige Bäume, alles voll Kerzen, liebevoll geschmückte Buden! Richtig toll!“, schwärmte Oma. „Und das besondere, die hatten ein neuartiges Kunstschneesystem. Unabhängig von der Temperatur. Keine Ahnung, wie das funktioniert, aber ich habe mir die Exklusivrechte für Europa gesichert.“

Oma war geschäftstüchtig und ihr Wohlstand kam nicht von ungefähr. „Opa und ich haben jetzt eine super Idee!“ Arno schwante Böses. „Ab dem ersten Advent werden wir in eurem Garten einen Weihnachtsmarkt veranstalten. Mit allem was dazu gehört. Glühwein, Plätzchen, Karussell, Bratwurst, Zuckerwatte, kandierte Äpfel, Schmalzkuchen und und und. Dazu Eure Weihnachtsdekoration und mein neuer Schnee. Kinder! Das wird was geben!“

Oma offenbarte nun, dass sie schon mit ihren Enkeln gesprochen hatte und – oh Wunder- alle hätten zugesagt zu helfen.Christa fand die Idee toll. Sie liebte Weihnachten und der Gedanke daran, ab dem ersten Advent in ihrem Garten Schnee zu haben, verzückte sie nahezu. Arno konnte sich damit abfinden. Er hatte von Oma keine besondere Arbeit zugewiesen bekommen und seine Weihnachtsdekoration, die größte, schönste, leuchtendste, stromfressendste Lichtdekoration hätte er sowieso aufgebaut. Als Oma auch noch vorrechnete, wie viel bei einem solchen Weihnachtsmarkt für alle rumkommen würde, war die Entscheidung schnell gefallen. Am nächste Tag holte Chris mit Oma vom Flughafen die Schneemaschine ab und tatsächlich funktionierte diese recht gut. Es schien, als ob in diesem Jahr alles nach Plan verlaufen würde.

 

Der erste Advent

Die Eröffnung des Weihnachtsmarktes wurde schon ein voller Erfolg. Oma hatte sich vorher um alle Genehmigungen gekümmert und so konnte der Markt pünktlich um 16:07 Uhr eröffnet werden. Zunächst standen die Buden noch ohne Schnee und ohne die Weihnachtsdekoration, die sich, beginnend im Vorgarten, über das gesamte Haus, bis in den hinteren Teil zog, da. Um 16:34 Uhr begann die Maschine Kunstschnee zu erzeugen und trotz 8 Grad legte sich eine weiße Schicht Pulverschnee über das Grundstück.

Um 17:03 Uhr legte Arno den Schalter für seine Weihnachtsdekoration um und nun erstrahlte der Weihnachtsmarkt auch noch in den prächtigsten Farben. Alle waren begeistert. Die Gäste standen Schlange an dem Stand mit den Plätzchen und Leckereiern, die aus der eigenen Bäckerei kamen, und von Sabine und Chris verkauft wurden. Sie standen Schlange an dem Glühweinstand, der von Opa, Arno und Malte betrieben wurde. Sie standen Schlange an der Wurstbude, die von Oma und Christa betrieben wurde. Und die Besucher standen Schlagen an dem Karussell, um das sich Alex kümmerte und vor allem an dem Zuckerwattestand.

An diesem standen und kauften mehr Väter als Kinder. Ob das darauf zurückzuführen war, dass Anna diesen Stand in einem sündhaft knappen Engelskostüm betrieb, konnte nie aufgeklärt werden. Kaum einer der Besucher verließ den Weihnachtsmarkt vor dem offiziellen Ende. Als dann doch irgendwann der letzte Gast den Garten verlassen hatte, fiel sich die Familie Staude glücklich in die Arme. Die Kasse hatte geklingelt und es hatte ihnen großen Spaß gemacht, alle Besucher auf die Weihnachtszeit einzustimmen.

 

Der zweite Advent

Da die Familie Staude in der Stadt bereits einige Berühmtheit erlangt hatte, wussten auch viele von dem besonderen Haustier, nämlich der Hausgans Staude, die vor einigen Jahren dem Ofen entkommen war und nun mit in der Familie lebte. Aus diesem Grund nahm Arno am nächsten Adventswochende Staude und auch Stromer mit in die Glühweinbude. Die beiden genossen die Aufmerksamkeit und die Streicheleinheiten. Einige Besucher wussten auch, dass Christa seit vielen Jahren großen Wert auf einen schönen Weihnachtsbaum legte. Mal wurde schon im Frühjahr ein Baum in der Schonung ausgewählt, mal wurde ein Baum im eigenen Garten angepflanzt und bis zum Heiligen Abend gehegt und gepflegt. In diesem Jahr hatte sie wieder eine sehr schön gewachsene Nordmanntanne aus dem eigenen Garten ausgewählt.

Auch dieser wurde in ein besonderes Licht gerückt und war fortan auch eine der Sehenswürdigkeiten auf dem. Weihnachtsmarkt. Zudem stellte Christa Alternativen zu dem Gänsebraten als Weihnachtsessen aus. Dabei war auch das klassische Weihnachtsessen der Staudes, Spaghetti mit Soße. Weil es mehrfach dazu gekommen war, dass die Spaghetti nicht mehr da waren, hatte sie drei Portionen in dem Haus verteilt. Eines davon stellte sie nun aus. Am Abend kam ein Herr Kunz auf Christa zu und stellte sich vor.

 

Der Journalist

Am nächsten Morgen kam es zu einem Treffen zwischen Christa und dem Herrn Kunz. Dieser hatte erzählt, dass er Journalist für ein Weihnachtsmagazin sei. Christa war hin und weg. Sie war richtig stolz darauf, dass Herr Kunz sich so für Ihr Weihnachtsfaible interessierte und versprach, in seiner Zeitung, die am Heiligen Abend erscheinen sollte, ausführlich über sie, ihre Festvorbereitungen und über die Familie zu schreiben.

„Das ist ja unglaublich interessant.“, merkte Herr Kunz scheinbar verzückt an, als Christa ihm von ihren Traditionen und Vorbereitungen erzählt hatte. Von dem traditionellen Weihnachtsessen, dem Weihnachtsbaum und vor allem von den ganzen Unwägbarkeiten, die die Familie in den letzten Jahren erlebt hatte. „Die diesjährige Ausgabe wird der Knüller werden!“, rief Herr Kunz aus. Christa strahlte. Und sie strahlte noch mehr, als er ihr versprach, aus ihrem Weihnachten eine fortlaufende Serie zu machen. „Hach“, schnurrte sie abends zu Arno, „ist das nicht toll, dass der Herr Kunz sich so für uns interessiert?! Jetzt werden wir noch richtig berühmt. Auch wenn Arno wusste, dass die Zeitung nur in ihrer Stadt erscheinen sollte, freute auch er sich auf die baldige Berühmtheit.

 

Die Adventszeit

Die weitere Adventszeit verlief so, wie sich die Staudes das vorgestellt hatten. Arno störte zwar, dass Oma an jedem Wochenende anreiste, um auf dem Weihnachtsmarkt mitzuhelfen. Die allabendlichen Einnahmen verhalfen ihm jedoch dieses Übel hinzunehmen. Zudem freute er sich jeden Abend darauf, die Reste des Glühweins mit Opa und Malte zu verzehren. Christa freute sich daran, dass Herr Kunz fast immer da war. Sie hatte so Vertrauen in ihn gefasst, dass sie ihm bereitwillig alles zeigte. Ja sogar das Allerheiligste. Nämlich die Verstecke und Zugangsmöglichkeiten zu den zwei im Haus sicher verwahrten Notfallrationen für das Weihnachtsessen, das Passwort für die Tür zu dem Raum für die elektrischen Anlagen für die Weihnachtsdekoration und auch den Zahlencode für die Gitterbox, die abends um den ausgewählten Weihnachtsbaum gestellt wurde. Noch ahnte sie nicht, dass dieses ein verhängnisvoller Fehler gewesen waren.

Die Besucher liebten den gemütlichen Weihnachtsmarkt und bei allen war die Vorfreude auf das Weihnachtsfest riesengroß.

 

Der Heilige Abend

Am Heiligen Abend war der Weihnachtsmarkt bis 15.00 Uhr geöffnet. Noch einmal war der Besucherandrang gewaltig. Herr Kunz war ebenfalls gekommen, um, wie er sagte, letzte Eindrücke zu gewinnen. Seine Weihnachtszeitung sei zwar schon fertig, und würde um 16:04 Uhr in die Briefkästen gesteckt werden, er wollte jedoch ein Exemplar persönlich aushändigen. Auf Grund des Trubels fiel es niemanden auf, dass Herr Kunz ab halb drei nicht mehr zu sehen war. Staude und Stomer bemerkten zwar, dass er sich durch die Terrassentür Zugang in das Haus verschaffte. Bevor die beiden jedoch schnattern bzw. bellen konnten, wurden sie von einigen Kindern gestreichelt und mit kleinen Plätzchen verwöhnt, sodass sie ihre Wachsamkeit vernachlässigten.

Nachdem die letzten Besucher gegangen waren, fragte Christa die anderen, ob einer Herrn Kunz gesehen habe. Doch das hatte keiner. Malte entdeckte dann eine zusammengerollte Zeitung an der Tür. Er rollte sie auseinander und war verwirrt. Die Zeitung war leer. Kein Bild. Kein Text. Nichts. Immer noch verwirrt zeigte er die Zeitung den anderen. Auch diese waren verwirrt. Arno, der gerade die Kettensäge geholt hatte, um den Baum zu fällen, damit dieser geschmückt werden konnte, entdeckte dann auf der letzten Seite doch einen Text „Verfluchtes Weihnachtsfest!“, stand dort und „gez. Herr Kunz, Weihnachtshasser“. Ratlosigkeit machte sich breit. „Nun ja, irgendwas ist immer.“, raunte Arno und ging zu der Tanne, um sie zu fällen.

Dort angekommen stutzte er. Wie auf Kommando hatte sich der Baum aller Nadeln entledigt. Er rief die anderen hinzu und Christa schrie vor Schreck auf. Der schöne Baum, er war nicht mehr zu gebrauchen. Malte untersuchte den Baum nun genau und zog einen Kupfernagel aus dem Stamm. Weitere Ratlosigkeit machte sich breit. Wie aus dem Nichts erschien Sohn Alex mit seiner Freundin. Die beiden hatten angekündigt, dass sie zu Weihnachten kommen würden. „Mama, Mama,“, rief Alex laut aus, „lass dich bloß nicht auf den Herrn Kunz ein! Er ist ein Weihnachtshasser. Schaut mal, was ich im Internet über ihn gefunden habe.“

Nun zeigte er die Ergebnisse seiner Recherche. Alle waren entgeistert. Herr Kunz betrieb mehrere Seiten, auf den er das Weihnachtsfest verteufelte. Zudem war er mehrfach im Zusammenhang mit Manipulationen an Weihnachtsbäumen und Angriffe auf Weihnachtsmänner verurteilt worden. Gerade als es schien, dass Christa ohnmächtig wurde, erschütterte eine kleine Explosion das Haus und die gesamte Weihnachtsdekoration fiel aus. Auch bei der Familie Staude würde es dunkel. Aufgeregt riefen alle durcheinander. Arno schwante Böses.

Er schickte Anna zu den Verstecken mit den Notfallrationen und sie kam mit schlechten Nachrichten zurück. Sie waren alle weg. Sofort untersuchte Opa die auf dem Weihnachtsmarkt ausgestellte Ration und stellte fest, dass sie Spaghetti durch solche aus Plastik und die Soßen durch Knetmasse ersetzt worden war. Nun fiel Christa in Ohnmacht. Plötzlich erhellte sich das Gesicht von Alex‘ Freundin.

Triumphierend zog sie vier Packungen Spaghetti und einige Fertigsoßen aus den Koffer. „Alex hat mir ja schon einiges über euch erzählt und da dachte ich, es kann nicht schaden, wenn ich einfach mal was mitbringe“, sagte sie augenzwinkernd. Nun kam auch in die anderen wieder der Geist des Weihnachtsfests zurück. Malte und Arno gingen kurzerhand auf das leerstehende Nachbargrundstück und sägten dort eine kleine Kiefer ab. „Besser als nichts.“, dachten sie sich. Chris zeigte ungeahnte Fähigkeiten und schaffte es, die Beleuchtung wieder zum Leuchten zu bringen. Die Männer schmückten den Baum und die Frauen zauberten in der Küche das Weihnachtsmahl. Die ganze Familie saß nun an der festlich geschmückten Tafel vor dem leidlich schönen Baum und genossen das Essen, als Arno lachend meinte, „Irgendetwas muss zu Weihnachten wohl immer bei uns passieren.“. Und alles stimmten lachend mit ein.

 

 

 

 

 

Fröhliche Weihnachten wünscht Ollis-Wehnachtsgeschichten.de!