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Weihnachtsgeschichte 2012: Der ganz normale Wahnsinn

Die liebe Familie kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach einem turbulenten Fest im letzten Jahr hat sie auch in diesem wieder einige Abenteuer zu überstehen. Ob es wohl noch einmal gut geht? Aber lesen Sie selbst…
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Wie immer

Erneut hatte die Familie Staude ein ereignisreiches Weihnachtsfest überstanden. Vater Arno, Mutter Christa und die Kinder Sabine, Malte, Anna und Alex waren dann doch sehr froh, nachdem Oma und Opa vier Tage nach Sylvester endlich nach Hause gefahren waren. Noch mehr freute sich darüber die in dem Haus seit Jahren lebende Hausgans Staude. Staude war mittlerweile ein richtiges Familienmitglied geworden, nur Oma konnte damit nicht leben, sie trachtete der Gans, wann immer es ging, nach dem Leben. Doch auch damit hatten sich alle abgefunden. Staude verbrachte viel Zeit in dem, sehr aufwändig ausgestatteten Gartenhaus. Fast immer leistete ihm dabei auch Stromer Gesellschaft. Stromer, eine Promenadenmischung wie sie im Buche steht, lebte ebenfalls seit einigen Jahren in der Familie. Die beiden Tiere verstanden sich prächtig. Und spät am Abend, wenn Oma zu Bett gegangen war, kamen die beiden in das Wohnzimmer und kuschelten ausgiebig mit Arno oder Malte. Allerdings bekamen sie auch von allen anderen Streicheleinheiten. Nun also war Ruhe in das Haus der Staudes eingekehrt. „Ob wir mal ein ruhiges Jahr erleben.“, fragte Christa ihren Arno. „Das glaube ich nicht, nein, wie nicht mehr“, entgegnete er schmunzelnd. Dass es gerade Christa sein sollte, die für mächtig Trubel sorgen sollte, ahnten die beiden nicht.

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Urlaubsfieber

Ende Februar war der letzte Schnee geschmolzen, bei allen machten sich Frühlingsgefühle breit. Bei Tochter Anna, kurz vor dem Abitur stehend änderte sich eigentlich nicht viel. Sie sah gut aus, verwandte, sehr zum Unmut der Eltern viel mehr Zeit für Shopping und Kosmetik, als für das Lernen. Sie konnte jedoch auch jeden Mann und solche die es mal werden wollten, um den Finger wickeln. Das hatte schon zu manch Chaos geführt, und was nun tatsächlich mit ihrem Lehrer passiert war, lag noch immer im Dunkeln. Sohn Alex, ein Computerverrückter, konnte mit Frühlingsgefühlen nichts anfangen. Kurz vor seiner Volljährigkeit hatte er sich nun immerhin zum ersten Mal geküsst. Gleichwohl er dabei immer verschwieg, dass diesen Kuss seine von ihm geschaffene Computerfigur mit einer im Internet kennen gelernten Chinesin durchgeführt hatte. „Digitale Liebe“ nannte er das. Sein Bruder Malte fand das albern und fragte sich auch, wie sich Alex wohl mit seiner Internetbekanntschaft unterhielt. Jedoch traute er ihm auch zu, dass er Chinesisch gelernt hatte. Malte selbst flog mit einem Kumpel nach Mallorca, sein Studium war noch immer nicht das Wichtigste in seinen Leben. „Viel Suff, wenig Frauen“, war seine Bilanz nach dem Urlaub. Die Tochter Sabine und ihr Dauerfreund Chris hatten eine Safarireise gebucht. Arno, der von Chris nichts hielt, ihn aber dulden musste, da er schon viel für die Familie gemacht hatte, war überrascht über so viel kulturelles Interesse. „Eine Safarireise, toll! Dann lernt ihr ja mal ein wenig über die wilden Tiere und die Natur, Afrika ist super. Sa könnt ihr bestimnt auch viel lernen.“ Ihm war es ein Gräuel, wie die beiden sich oft benahmen. Mülltrennung war ein Fremdwort, Lebensmittel wurden gekauft, auch wenn der Kühlschrank noch voll war. Pfandflaschen wurden weggeworfen. Allerdings wusste Arno auch, dass Malte sich so einen Teil seiner Zechtouren finanzierte. Er war zum Flaschensammler seiner Schwester geworden. Auf Arnos Ausführungen schauten Sabine und Chris etwas verstört. „Afrika?“ „Wir leihen uns einen kleinen Suzuki und fahren durch den wilden Osten.“ „Na ja, die Tundra und Taiga in Russland ist sicherlich auch sehenswert.“ Arno wunderte sich über so viel Entdeckergeist seiner ältesten Tochter. „Russland?“, Sabine war noch verwirrter, „wir fahren Zelten nach Neubrandenburg“ Arno beschloss, dass Gespräch zu beenden. Er selber und Christ hatten eine Flugreise nach Cran Canaria gebucht.

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Cran Canaria

Im April flogen die beiden auf die Kanaren. Gebucht war ein Mittelklassehotel direkt am Stand mit Pool und allem was dazu gehört. Die ersten von vierzehn Tagen verliefen reibungslos. Die beiden schauten sich die Insel an und genossen die gemeinsame Zeit. Genervt waren beide jedoch von den jungen Burschen, die auf der Promenade auf und abliefen, um schlechte Kopien von Uhren und Sonnenbrillen zu verkaufen. Die ständigen Ansprachen, doch in diesem oder jenem Restaurant zu essen gab sein Übriges dazu. „Mir reicht es jetzt!“ rief Christa aus, „dem nächsten, der was will, werde ich was abkaufen, oder was auch immer er will!“ Arno wollte gerade antworten, als ein dicklicher kleiner Mann mit Halbglatze Christa ansprach. Die Freude darüber, dass es sich nicht um einen dieser gut aussehenden jungen Afrikaner gehandelt hat, die deutsche Fragen gerne ansprachen, um diesen noch ganz andere Dinge zu zeigen als Uhren und Sonnenbrillen, verflog relativ rasch. Der dickliche, schwitzende Mann faselte etwas von einer Geldanlagemöglichkeit auf der Insel. „Super Highscore Estate Fund“, hörte Arno gerade noch, als Christa bereits antwortete „Gut dann kommen wir heute Nachmittag zu der Finca auf dem Hügel.“ Der feiste Kerl schob schnaufend weiter. „Was sollen wir machen? Du wolltest eine Uhr kaufen aber doch keine Wohnung!“ „Ich habe das dem Dieter versprochen, also gehen wir da auch hin.“ „Dieter? Seid ihr euch in den zwei Minuten schon so nahe gekommen?!“ Arno war verwirrt. Doch es half nichts. Am Nachmittag fuhren beide mit dem Mietwagen zu der in den Bergen gelegenen Finca. Dort erwartete sie ein mächtiges Tor, bewacht von einem grimmig reinschauenden menschlichen Kleiderschrank. Arno war die Sache nicht recht. Er hatte seine Vorbehalte. Allerdings schwärmte Christa von diesem Dieter, dass er mit seinen Vorhalten nicht durchkam. Also parkte er vor einer herrschaftlichen Finca und Dieter kam, schwitzend und mit zu weit geöffneten Hemd auf die beiden zu. Küsschen links Küsschen rechts. „Kommt durch, kommt durch.“ flötete er fast. Christa wischte sich verstohlen ihre bei dem Küsschen sehr feucht gewordene Wange ab, Arno, der erkannte, dass noch eine ganze Reihe von weiteren Mietwagen vor der Finca standen, wischte seine Wange ganz offen trocken. Dieter lächelte einfach nur.

Der Heilsbringer im Sommer

Die Zweifel bei Arno verflogen, als sie den Poolbereich betraten. Etwa ein Dutzend Bikinischönheiten aalten sich am Becken und im Whirlpool. Fünf andere deutsche Touristen standen bei den Damen und hatten Cocktailgläser in den Händen. „Lieber Arno,“ säuselte Dieter, „lass dich von den Damen mal verwöhnen. Die Bar ist gut gefüllt. Und einen Rückfahrservice haben wir auch. Viel Spaß!“ Erstaunlicher Weise protestierte Christa nicht. Sie kicherte mit Dieter um die Wette und beide gingen in die Finca, wo Arno noch andere Damen entdecken konnte. Von da an legte sich ein Schatten auf seine Erinnerungen. Am nächsten Morgen, nein, wie Arno mit einem verschwommenen Blick auf die Uhr feststellte, war es bereits mittags, hatte einen mächtigen Kater. Er wunderte sich, dass Christa sich daran nicht störte. Sie stand auf dem Balkon, hatte ein merkwürdiges, farblich nicht zu bestimmendes Kleid an und schränkte die Arme merkwürdig in die Höhe. Arno erinnerte dieses an die Kampffigur, der Sterbende Schwan, aus einem Karatefilm. Sie grinste, ähnlich wie der Dieter am Vortag. Sie schimpfte nicht und beschwerte sich auch nicht über die Cocktails am Vortag. Arno prüfte, ob es wirklich seine Frau war, stellte fest, dass das der Fall war und konnte sich nicht recht erklären, was passiert war. „Es ist alles in bester Ordnung, Schatz. Dieter hat uns gestern so viele Weisheiten mit auf den Weg gegeben. Und dieses tolle Buch hat er uns auch gegeben.“ Dabei hielt sie ein buntes, schrilles, mindestens 800 Seiten dickes Buch hoch.“ „Aha. Und was ist das für eine Kiste.“, wollte Arno wissen. Die Kiste war so groß wie eine Hutschachtel und so schrill bemalt wie das Buch. Allerdings war ein kompliziertes Schloss angebracht. Die Kiste konnte nur mit einem Fingerabdruck geöffnet werden. „Das ist die geheime Kiste, die mir Dieter gegeben hat.“ „Und was hat das alles mit einer Geldanlage zu tun? Haben wir gestern etwa irgendwas gekauft?“ Arno brummte der Schädel. „Nein.“, antwortete Christa, „Dieter hat uns davon abgeraten etwas zu kaufen. Er sagt, dass das alles Betrüger sind. Aber er hat uns ganz tolle Tipps, Lebenstipps, gegeben. Steht hier auch im Buch. Und in der Kiste, aber die geht dich nichts an. Wer nicht daran glaubt, darf auch nicht hineinschauen.“ Die restlichen Urlaubstage verliefen für Arno merkwürdig. Christa traf sich fast jeden Abend mit den anderen Frauen und mit Dieter. Arno folgte dieser bizarren Truppe von Zeit zu Zeit und stellte fest, dass diese Gesprächskreise und Übungen an dem Strand machten. Er vertraute darauf, dass das auch wieder weggehen würde. Doch da täuschte er sich.

Christa im Bann

Zu Hause angekommen fing Christa sofort damit an, dass Haus umzuräumen. Die Möbel wurden umgestellt, Bilder abgenommen, andere Bilder aufgehängt. Immer, wenn sie nicht weiter wusste, schaute sie in das Buch. Wenn auch dort keine Anleitung zu finden war, öffnete sie die Kiste, aber immer so, dass niemand hineinschauen konnte. Da Arno es gewöhnt war, dass Christa immer mal etwas neues ausprobierte, dachte er sich zunächst nicht viel dabei. Doch Christa hing merkwürdige Gardinen auf und spielte merkwürdige Musik. Arno war das nicht geheuer. Als auf einmal nicht nur die Essenszeiten geändert wurden, sondern auch der Speiseplan, war es genug. Es begann damit, dass Arno an einem Freitagmorgen nicht wie gewohnt um 07:30 frühstücken konnte. Christa war nicht, der Tisch nicht gedeckt. Er fand sie in ihrem neuen Zimmer. „Ja, ich esse jetzt nur noch zwei Mal am Tag. Morgens um 05:17, sie sagte wirklich 05:17, und um 18:00 Uhr. Fleisch gibt es nicht mehr. Auch keine Milch. Alles viel zu schädlich für unseren Körper. Der Dieter verkauft ganz leckere Algen, als Aufschnitt, als Paste, getrocknet, das ist das richtige Essen für uns. Und ab sofort gibt es nichts mehr anderes hier im Haus.“ Das saß. Arno fuhr zur Arbeit und wusste nicht recht, was er davon halten sollte. Abends war ein Gespräch mit Christa nicht möglich, sie war bei einer Versammlung. Am darauffolgenden Morgen ging es dann richtig zur Sache. Normalerweise gab es um 10.00 Uhr für alle Brötchen und es wurde ausgeblieben gefrühstückt. Malte und Alex waren immer pünktlich, Anna legte darauf keinen großen Wert. Arno holte auch an diesem Morgen mit Staude und Stromer im Schlepptau, die drei fielen gar nicht mehr auf, reichlich Brötchen. Gerade als er diese in den Korb legte, fegte Christa heran und warf sie in den Mülleimer. Nahezu zeitgleich stelle sie eine Dose Dieter’s Superalgenpaste auf den Tisch und verteilte ausreichend Löffel. Malte war verstört. „Was soll das?“, sprach es und holte die Brötchen aus dem Mülleimer. Sie lagen oben auf und waren auf einem getrockneten Algenblatt gelandet. Dabei entdeckte er aber auch, dass der Käse und der Aufschnitt ebenfalls -unrettbar- im Müll lagen. Christa erzählte nun auch ihren Söhnen, wie sie beabsichtigte von nun an zu leben. Kopfschüttelnd zogen sich Arno, die Söhne, Staude und Stromer in das Gartenhaus zurück. Hier hatte Arno, für Notfälle eine große Salami gebunkert. Diese wurde gerecht verteilt und bei einem herzhaften Salamibrötchen wurde Kriegsrat gehalten.

Kein Weihnachten?

„Mir fällt jetzt erst auf, dass wir gar keinen Weihnachtsbaum aussuchen und besorgen mussten.“ sagte Arno. „Das stimmt“, Malte war unsicher, das stimmt. Ja, da stimmt doch was nicht!“ rief er dann aus. „Da hast Du Recht.“ „Mir fällt auf, dass Oma im Sommer noch gar nicht zu Besuch war, die hat den Braten bestimmt gerochen und das was Mama hier abzieht ist sogar für die zu viel.“ beteiligte sich nun auch Alex. Die drei machten sich auf den Weg durch das Haus und den Garten. Dabei stellten sie fest, was sie zwar schon wussten, dass kein Weihnachtsbaum im Garten stand. Hier gab es extra einen abgesperrten Bereich, in dem im Frühjahr ein ausreichend großer Baum gepflanzt wird, um diesen bis zum Heiligen Abend zu hegen. Auch waren die Vorräte für das traditionelle Weihnachtsessen bei der Familie Staude nicht mehr vorhanden. Seit dem Staude mit im Haus lebte, ab es keine Gans mehr zum Festessen. Stattdessen gab es seit einiger Zeit Spaghetti mit Soße. Da es auch hierbei gelegentlich zu Schwierigkeiten kam, waren mehrere Proviantpakete im Haus und Garten verteilt. Nun waren alle verschwunden. „Wir müssen handeln. Malte, du besorgst neue Vorräte. Alex, klemm Dich an Deinen Computer und finde alles über diesen Dieter heraus. Ich werde mal schauen, was sonst so ist.“ Er hatte eine Vorahnung. Alle Bankgeschäfte machte Christa. Und tatsächlich, nachdem er mit viel Mühe den Laptop hochgefahren hatte, erkannte er bei der virtuellen Abfrage der Konten, dass ein Betrag von über EUR 30.000,00 auf das Konto von Dieter überwiesen worden war. Jetzt rief er sogar Christas Mutter an, normalerweise machte er das nicht. Er wusste aber, dass seine Schwiegermutter gute Kontakte hatte und hoffte, dass sie diese dazu nutzen konnte, um das Geld zu retten.

Die Wahrheit

Christa selbst fand das alles richtig, was sie machte. Sie veranstaltete selbst Seminare und versuchte weiterhin ihr Lebenskonzept durchzusetzen. Doch die anderen machten nicht mit und so war das gemeinsame Zusammenleben nicht immer einfach. Nur wusste die Familie immer noch nicht so recht, was mit ihr eigentlich los war. „Das ist ein ganz übler Betrüger!“ rief Alex an einem Morgen im Oktober aus. „Ich habe Ewigkeiten gebraucht, um über diesen Dieter etwas herauszufinden. Im Spurenverwischen ist er echt gut. Vielleicht sollte ich…“ „Alex!“ Malte herrschte seinen Bruder an. „Was hast du herausgefunden?“ „Ja, also Dieter heißt wirklich Dieter und ist ein großer Betrüger. Er führt so eine Art Sekte. Nur Frauen. Und das Geheimnis seiner Abhängigkeit soll in der Kiste sein. Angeblich aber auch das Gegenmittel. Leider ist darüber nicht mehr zu finden im Netz!“

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Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Arno hatte bislang geglaubt, dass dieser Spleen seiner Frau auch wieder verschwinden würde. Er hatte geglaubt, dass es so wie damals sein würde, als sie nach den Lehren von Ying und Yang gelebt hatte, dieser Spuck war nach wenigen Tagen und einem fünfmaligen Umstellen der Möbel vorbei gewesen. Doch nun war es ernst. Oma konnte tatsächlich die Zahlungen zurück buchen lassen. Wie sie das angestellt hatte, erzählte sie nicht, aber Arno wusste, dass Oma es sehr gut verstand ihren Willen durchzusetzen. Daher war er froh, ja er freute sich wirklich, dass Oma für Dezember ihr Kommen angekündigt hatte. Opa musste mit, ob er wollte oder nicht. Christa war immer noch in einer anderen Welt. Sie kümmerte sich nur noch halbherzig um die Familie. Sie ging zu den Seminaren und Arno wusste, dass sie diesem Dieter heimlich ein Teil des Haushaltsgeldes zusteckte. Das war gleichwohl nicht weiter tragisch. Da sie nur die Algen kaufte, bekam sie sowieso kaum Geld. Arno und die Kinder verpflegten sich selbst. Als Oma ankam führte sie sofort ein ernstes Gespräch mit Christa. Doch auch das half nichts. „So geht das nicht weiter!“ rief Oma aus. „Ab jetzt wird zurückgeschossen! Auch wenn ihr immer sehr merkwürdig Weihnachten feiert. So geht es nicht!“ Es hatte mittlerweile geschneit und eigentlich sollt die mächtige Weihnachtsdekoration angebracht werden. Seit ein paar Jahren war bei der Familie Staude der Garten hell erleuchtet und auf dem Dach wurde das gesamte Weihnachtsfest von lebensgroßen Figuren nachgestellt. Doch Christa hat sich in diesem Jahr geweigert. Das sei nicht nötig, Weihnachten feiern wir nicht mehr. Das waren ihre Worte. Nun also auch noch das. Sie wollte ernsthaft das ganze Fest ausfallen lassen. Das war nun wirklich zu viel. Malte, er seit Jahren Jura studierte, zumindest das immer wieder behauptete, schlug vor, Christa unter Betreuung stellen zu lassen. Die Idee fand durchaus Zustimmung – wurde dann doch verworfen. „Wir machen es einfach so wie immer, dann kommt sie bestimmt wieder zu sich.“, war Annas Meinung. Erstaunt schauten sie alle an. „Gute Idee. Das machen wir. Warum sind wir da nicht vorher schon drauf gekommen.“ rief Arno aus.“ „Los Alex, du kaufst jetzt reichlich Spaghetti und Soße. Anna, du hast für heute genug gemacht. Malte, wir beiden bauen die Weihnachtsdekoration auf. Danach fahren wir in den Wald und holen einen Baum. Opa, du kommst mit und passt auf die Tiere auf, die wir natürlich auch mitnehmen.“ Arno vertraute Oma immer noch nicht.

Alles wie immer?

In Windeseile war die Weihnachtsdekoration aufgebaut. Das Haus erstrahlte heller als sonst. Umweltbewusste Autofahrer schalteten vor dem Haus kurzzeitig das Licht aus. Danach holten die die Kettensäge und fuhren in den Wald. Da auch Oma das Haus verlassen hatte, bemerkte niemand, dass Christa mit fünf weiteren Frauen und Dieter nach Hause kam. Beim Anblick der Dekoration erschraken alle fürchterlich. Und als die Familie nach Hause kam, hatte Dieter alles mit seinem klapprigen VW Golf entsorgt. Nun wusste keiner mehr weiter. Am Heiligen Abend sollten sich die Ereignisse überschlagen. Morgens kamen bereits alle, bis auf Alex, zusammen und überlegten, wie sie Christa von dieser Sekte befreien könnten. „Der Schlüssel muss in dieser Kiste liegen. Da müssen wir ran.“ gab Opa zu bedenken. „Aber wie?“, fragt Malte. „Ich habe schon mal versucht das Ding zu öffnen, keine Chance.“ Christa kam gutgelaunt dazu. „Hach, ist das nicht schön, kein Stress heute. Kein Chaos. Unsere Gruppe wird heute Abend einen Sitzungskreis abhalten. Kommt doch mit!“ Aber das wollte keiner und dazu sollte es auch nicht kommen.

Die Rettung

Es war zehn Uhr morgens, als Alex war rot unterlaufenden Augen in die Küche stürzte, in der sich die Familie versammelt hatte. „Ich habe es! Ich habe es!“, rief er. „Die ganze Nacht habe ich vor dem Computer gesessen und Informationen über diese Sekte gesucht. Schließlich bin ich auf eine australische Seite gestoßen. Dort habe ich den Namen eines Farmers gefunden, der von der Sekte und der Kiste geschrieben hat. Den habe ich dann gleich angerufen, und nach zwei Stunden – er hatte echt viel zu erzählen, habe ich die Lösung gefunden!“, er strahlte wie das Christkind. „Zwei Stunden Telefonat mit Australien? Bist du verrückt, weißt du was das kostet?!“, entgegnete Anna. Ihr wurde immer vorgehalten, dass ihre Telefonate zu viel kosten würden. Doch Arno wischte diesen Einwand weg. „Na los, was ist es?“, fragte er bohrend. „Tja, also, auf der Unterseite befinden sich mehrere kleine Löcher. Wenn man in das richtige Loch eine Büroklammer steckt, öffnet sich ein doppelter Boden. Darin soll sich eine Schrift befinden, auf der sich die wahren Ziele der Sekte befinden. Warum Dieter, der sich in Australien Dave genannt hatte, das gemacht hat, wusste der Farmer auch nicht. Aber es soll so sein.“ „Und was sind die Ziele?“, fragte Oma. Doch das wusste Alex nicht, der Farmer hatte sich nicht getraut, die Schrift zu lesen. „Worauf warten wir noch, ran an die Kiste!“, rief Oma und sprang auf. „Nein“, entgegnete Alex, „die Kiste ist gut gesichert. Es gibt mehrere solcher Löcher. Wir müssen das richtige treffen. Der Farmer sagte, unter einem Schwarzlicht würde man es erkennen können.“ Arno erinnerte sich daran, dass Anna eine Schwarzlichtleuchte in ihrem Zimmer hat. Wofür sie das brauchte wollte er eigentlich nicht wissen, aber nun war diese Gold wert. „Aber wir werden einige Zeit benötigen.“, gab Alex zu bedenken. Nun hatte Malte eine Idee. „Wohl an, dann müssen sich einige von uns opfern. Wir bitten Mama darum, uns ihren Glauben zu erklären, mit Sitzkreis und so. In der Zeit untersuchen Alex und ich das Ding.“ So wenig verlockend die Idee war, es gab nur diese Möglichkeit. Also gingen Arno, Oma, Opa, Anna, Sabine und Chris zu Christa in das Wohnzimmer. Sie saß, die Beine merkwürdig verschränkt auf dem Sofa und summte vor sich hin. An den frischen Spuren im neu gefallenen Schnee erkannte man, dass die beiden Tiere Staude und Stromer halsüberkopf das Zimmer verlassen haben mussten.

Opfer bringen

„Du Christa, Schatz“, Arno hatte Mühe, „für uns ist ja heute das Fest der Liebe und nun ja“, er stammelte, „ wir möchten gerne mehr von Deiner tollen Gemeinschaft und deren Ansichten erfahren.“ Alle hofften, dass die beiden Jungs das Geheimnis der Kiste lüften würden und man mit dem Inhalt der Schrift Christa zur Vernunft bringen würde. „Oh wie schön“, flötete diese, „setzt euch.“ Nun begann ein quälender Vortrag. Nach einer guten Stunde wurden alle erlöst. „Wir haben es!!!“ jubilierte Malte, als er mit einem künstlich vergilbten Schreiben in der Hand in das Zimmer platzte. „Aber Malte, ich erkläre doch gerade das Gleichgewicht von den Algenpillen und dem Zustand der Seele.“ Arno riss das Schreiben an sich und las es laut vor: „Ich, Dieter, habe eine Sekte gegründet. Mein einziges Ziel ist es, an das Geld der Leute zukommen. Ich werde diesen merkwürdige Geschichten erzählen, und ihnen widerliche Algenpaste verkaufen. Nichts von dem was ich erzähle ist wahr. Mir macht es einfach Freude, die Leute auszunehmen. Sollte einer meiner Jünger das hier lesen, hat er gegen meine Vorschriften verstoßen und die Kiste untersucht. Da ich aber so gut bin, wird es dazu nicht kommen.“ Es folgten noch weitere kruden Ansichten, aus denen deutlich wurde, dass es Dieter alleine darum ging, seine Jünger zu erleichetern. Christa hörte die Worte und wie von Geisterhand wechselte sich auf einmal ihr Blick. „Was mache ich hier?“, fragte sie. Es war, als ob sie aus einer Hypnose erwachte. „Habe ich geträumt, oder ist das alles passiert?“ „Was soll alles passiert sein?“, fragte Arno. „Na das Geld, was ich Dieter gegeben habe, die Algenpaste, die…“, weiter kam sie nicht. „Ist heute nicht Weihnachten?“, Christa schaute zu ihrer Familie. „Ja, aber Du hast verboten, das zu feiern.“, erwiderte Sabine. „Ich habe was?“, Christa wurde ganz anders. „Ich mag Weihnachten. Wo ist denn der Baum? Wo ist der ganze Schmuck? Haben wir Spaghetti da?“, fragte sie. „Nein, das wolltest du alles nicht.“, antworteten alle im Chor. Bedrückende Stimmung machte sich breit.
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Es bleibt so wie es ist

„Na dann mal los!“, rief Arno jedoch nach kurzer Zeit aus. „Wir haben schon so viel erlebt, dann werden wir das auch noch schaffen!“ Chris, Opa und Malte fuhren mit Staude und Stromer zu dem Schrottplatz, auf dem Dieter die Weihnachtsdekoration entsorgt hatte. Dort war natürlich keiner mehr und das Tor war verschlossen. Kurzerhand knackte Chris das Schloss und sie fuhren auf das Gelände. Als sie an dem Haufen angekommen waren, luden sie schnell alles ein, bis auf einmal ein gefährliches Knurren zu hören war. Als die drei sich langsam umdrehten, sahen sie einen fletschenden Dobermann sich gegenüber stehend. „Oh, oh.“, meinte Malte. Der Rückweg zum Auto war versperrt. Doch glücklicher Weise erkannten Staude und Stromer die Gefahr. Die beiden standen auf der geöffneten Ladefläche. Staude fing laut zu Schnattern an. Der Rottweiler schaute sich verdutzt um. Eine Gans zum Fest, damit hatte er nicht gerechnet. Er schnellte los und setze gerade zum Sprung auf die Ladefläche an, ein Anblick der bei Oma wahrscheinlich größte Freude hervorgerufen hätte, als Stromer gekonnt auf den elektrischen Kofferraumschließer drückte. Die Heckklappe fuhr hinunter und der Rottweiler erkannte die Gefahr zu spät. Staude vor Augen flog er gegen den sich senkenden Deckel. Ein leises Fiepsen, und der Rottweiler lag benommen auf dem Boden. Staude schnatterte, Stromer quietschte vergnügt und die drei verluden eilig die Weihnachtdekoration. Zu Hause angekommen hatte Arno bereits den Baum geholt und im Wohnzimmer aufgestellt. Alex hatte die Deko in einer Ecke des Kellers gefunden und schmückte den Baum eifrig. Sabine und Oma bereiteten das Essen zu, Anna deckte den Tisch. Christa schaute allen herzlich zu und begriff so langsam, was die getan hatte. Die Außendekoration wurde so gut wie möglich aufgebaut und angeschlossen. Gerade als sich alle das Werk ansahen, kam Dieter mit seinem klapprigen Wagen vorgefahren. Er stutzte. „Was ist denn hier passiert…? Christa, hat man dich gezwungen diesen Blödsinn zu machen? Komm, lass uns erst mal nachschauen, ob Du heute auch genug Algenpaste gegessen hast.“ Doch Christa reagierte nicht. Stattdessen griff sie in ihre Tasche und holte das Schreiben raus. „Kannst Du mir das erklären?“, giftete sie. Bevor Dieter eine Antwort geben konnte kam Oma aus dem Haus zurück. Er hatte nicht bemerkt, wie sich diese zuvor in das Haus gestohlen hatte. In der Hand trug sie ein großes Messer. Auf der Klinge war das Bild einer Gans abgebildet, mit durchtrenntem Hals. Wie sie dieses Messer an den strengen Sicherheitskontrollen in das Haus gebracht hatte, blieb unbeantwortet. Dieter in jedem Fall erkannte das Messer und erkannte in dem Gesicht von Oma die Gefahr. Er war sich um und lief zum Auto. Als er gerade losfuhr, sauste das Messer durch die Luft und durchbrach das Heckfenster. In der Kopfstütze des Beifahrersitzes blieb es stecken. Staude schluckte. Er wusste, diesen Wurf hatte Oma nur seinetwegen geübt. Doch nun steckte das Messer in dem Auto und Dieter brauste damit davon – auf Nimmerwiedersehen. Die Familie ging in das Haus und setzte sich an den Tisch vor dem glänzendstrahlenden Baum. Das Essen war fertig und alle nahmen sich reichlich. Christa war nun wieder ganz bei Sinnen. Alle lachten nun über das, was geschehen war. Die Familie war wieder ganz bei einander und sie verbrachten den Abend mit viel Freude gemeinsam. „Was war das doch wieder für ein schönes Fest“, lachte Arno und alle stimmten mit ein.

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