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Weihnachtsgeschichte 2006: Spaghetti, Schwiegermutter und Weihnachten

In diesem Jahr haben Sie wieder die Möglichkeit nach zulesen, was sich bei der Familie rund um das diesjährige Weihnachtsfest zu getragen hat. In dieser Geschichte sorgen nicht nur die rührigen Eltern und die quirligen Kinder für ein erneutes abenteuerliches Weihnachtsfest. Auch die Schwiegermutter gibt ihren Beitrag dazu ab, daß es erneut nicht zu einem normalen Weihnachtsfest kommt, aber lesen Sie selbst…

Die Nachwehen des letzten Jahres

Das Weihnachtsfest 2005 hatte bei der Familie Staude im Vorfeld für sehr viel Unruhe gesorgt. Aber, wie sollte es auch anders sein, auch nach dem Heiligen Abend hörte die Aufregung nicht auf. Schon an diesem Abend fiel der Familie ein leichter Uringeruch in der guten Stube auf. Dieser unangenehme Duft nahm an den folgenden Tagen noch dermaßen zu, daß die Familie von Mutter Christa, die dieses Jahr seit langem mal wieder am zweiten Weihnachtstag bei den Staudes zum Kaffetrinken kam, diesen in der Küche trinken mußten und den festlich leuchtenden Baum nur duch die geöffnete Tür bestaunen konnten. „Das ist bestimmt euer neuer Mitbewohner, der den Baum nutzt, um sich zu erleichtern.“, meinte Christas Mutter verächtlich. Bei diesen Worten schaute sie griesgrämig zu Staude. Fast erschien es, als ob die Gans, die sich nunmehr gänsewohl in der Familie eingelebt hatte, diese Anspielung verstanden hatte. „Das meinst du hoffentlich nicht im Ernst“, entgegnete Arno, “ manche Mitbewohner sind mir sowieso lieber als so manche Gäste!“, schob Arno noch hinterher. Christas Mutter Erna hatte diese Spitze gegen sie natürlich verstanden und holte gerade tief Luft, als Christa durch die Tür kam und mit einem Blick zu Arno, der strafender nicht hätte sein können, diesen Streit zwischen den beiden beendete.
Doch auch Christa wußte, daß dies nicht lange anhalten würde. Erna und Arno möchten sich einfach nicht. Das war schon immer so gewesen. Christa mußte daran denken, wie Arno sie das erste mal von zu Hause abgeholt hatte.

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Arno war mit seinem Ford Capri vorgefahren. Allerdings war er so nervös vor diesem ersten Treffen, daß er Brems – und Gaspedal vertauschte. Mit Schwung fuhr er in die liebevoll gezüchteten Rosen von Erna. Und – merkwürdigerweise – wurde Erna auch nicht mehr freundlich, als Arno die noch unbeschädigten Rosen nahm und ihr mit dem größten Bedauern überreichte. Seit diesem Vorfall, also seit dem sich die beiden kennengelernt hatten, haßte Erna den Mann ihrer Tochter. Und auch Arno ließ seine Entschuldigungsversuche irgendwann sein und begegnete seiner Schwiegermutter vollkommen gleichgültig.
Anders war das mit Ernas Ehemann Franz. Er hatte gelernt mit den Macken seiner Frau zu leben und wenn es ihm zuviel wurde, dann ging er in seine Kneipe und lenkte sich ab. Arno und Franz mochten sich. Das gefiel Erna zwar nicht, doch all ihre Versuche Franz gegen Arno aufzubringen waren gescheitert. Ganz im Gegenteil, wenn Christas Eltern zu Besuch kamen, dann gingen Arno und Franz gemeinsam in eine Kneipe und seit einigen Jahren schloß sich auch Malte den beiden gerne an. Als Christa nun wieder an den Capri im Rosenbeet dachten mußte, lächelte sie versonnen.

Der Gestank muß weg

Doch dafür war jetzt keine Zeit.
Deshalb wandte sich Christa zu ihrem Mann: „Mutter hat Recht, irgendwoher muß dieser Gestank doch kommen.“ „Das ist ja richtig, aber Staude ist stubenrein – absolut. Das wissen wir.“ So als ob Staude auch dieses verstanden hatte, ging sie zur Terrassentür und klopfte mit ihren Watschelfüßen dagegen. Malte öffnete die Tür und tatsächlich ging Staude auf den schneebedeckten Rasen und verrichte ihr Geschäft. „Trotzdem“, raunte Erna, „eine Gans gehört in den Ofen und nicht in das Haus!“ In diesem Moment stürmte Anna durch die Küchentür. „Ihr werdet es nicht glauben, was Tina mir gerade erzählt hat! Unglaublich! Unfaßbar! Diese widerlichen Kerle!!!“ Verstört wurde sie von der gesamten Familie angeschaut. „Darum also dieser Gestank aus dem Baum! Ts ts, also das muß ich gleich Melanie erzählen!“, mit diesen Worten stürmte sie wieder heraus. „Hol sie wieder zurück. Ganz offensichtlich interessiert uns das ja auch!“, sagte Arno zu Malte und dieser lief hinter Anna her und brachte sie zurück.

Die Wahrheit und der Heulkrampf

Nun erzählte Anna von den beiden Jungs und vor allem, aus welchem Grund sie gegen den Weihnachtsbaum gepinkelt hatten. Als Alex dadurch erfuhr, was er mit seinem Streich angerichtet hatte, verließ er mit Heulkrämpfen die Küche und verließ bis Silvester sein Zimmer nur noch, wenn er nachts Essen aus der Küche holte, oder wenn er zur Toilette mußte.
Das ausgerechnet er, Alex, für den stinkenden Baum verantwortlich war und dadurch das ganze Weihnachtsfest, zumindest sah er es so, versaut hatte, das machte ihn fertig. Doch tatsächlich war es so, daß sich Arno und Malte sofort daran machten, den Baum aus dem Wohnzimmer zu tragen und auf der Terrasse aufzustellen. Dort blieb er stehen bis zum 27. Januar. Und nachdem ein Windschutz um den Baum aufgestellt wurde, konnte Christa sogar die Wachskerzen anmachen und sich an dem Anblick durch die Terrassentür erfreuen.
Dennoch war dieses ein Anlaß dazu, daß Weihnachtsfest 2006 noch besser zu organisieren.

Perfekte Vorbereitungen

Wie bereits im Vorjahr wurde der Baum bereits im März ausgesucht und im Garten der Staudes wieder eingepflanzt, damit er dort auf seine eigentliche Bestimmung hin gehegt und gepflegt werden konnte. Auch um das Essen kümmerte sich Christa so früh wie möglich. „Ich gehe morgen los und hole uns tiefgefrorene Gänse für das Fest. Ich habe mir überlegt, daß ich diesmal gleich drei Stück kaufe. Eine legen wir oben ins Gefrierfach, eine in den Keller und eine deponiere ich bei den Nachbarn, man weiß je nie!“, sagte sie an einem Abend im März zu Arno. “ Mit den Beilagen, Knödel und Rotkraut aus der Dose mache ich das gleiche.“
“ Es kann doch nicht dein ernst sein, daß du tatsächlich eine Gans braten willst.“, während Arno das sagte streichelt er Staude den Kopf. Sie hatte es sich neben Arno auf dem Sofa gemütlich gemacht und genoß die allabendliche Streicheleinheit. Arno und Malte waren überzeugte Vegetarier geworden, nachdem Staude bei ihnen eingezogen waren. Alex war sogar Veganer geworden und mußte für sich selbst kochen.
Christa war es zu anstrengend gewesen, sich alle Inhaltsstoffe durchzulesen, nur um darauf zuachten, ob Alex es auch tatsächlich essen durfte. Aus diesem Grund hielt die Veganerzeit bei Alex auch nur drei Tage an. Auch Arno und Malte hielten es ohne Fleisch nicht sehr lange durch. Allerdings aßen beide keine Geflügelfleisch mehr.

Die beiden Töchter Sabine und Anna hatten ihre Essgewohnheiten durch die neue Mitbewohnerin nicht umgestellt. Sabine aß alles, was ihr ihre zahllosen Diätbücher vorgaben. Wenn dort stand, daß man zum Salat nur Gänsleber essen sollte, dann aß sie halt Gänseleber. Und auch Anna aß zu Hause zwar das, was ihr vorgesetzt wurde, wenn sie allerdings von einem ihrer zahlosen Vereherer, die sich sehr zum Unmut von Arno immer noch vermehrt hatten, zum Essen eingeladen wurden, dann aß sie auch Geflügelfleisch. Dennoch, die Tatsache, daß Christa am Weihnachtsfest eine Gans braten wollte, damit war auch sie nicht einverstanden. Anna hatte Christas Idee auf dem Flur mit angehört. „Na dann vielleicht Pute?“, fragte Christa nun. Ein deutliches „Nein!“ schmetterte ihr aus dem Flur und vom Sofa entgegen.
„Und wenn wir eine polnische nehmen, die kennt Staude bestimmt nicht!“ Wiederum schallte ihr ein „Nein!“ entgegen, diesesmal allerdings nur vom Sofa, denn Anna war bereits gegangen. Dadurch wurde Arnos Nein allerdings von einem deutlichen Geschnatter von Staude bekräftigt. „Nein Christa, bei dieser Sache, das schwöre ich dir, da bleibe ich hart. Wir haben nun schon zwei mal leckere Spaghetti mit noch viel leckerer Soße am Heiligen Abend gegessen. Und genau das machen wir dieses Jahr auch. Und versuch erst gar nicht mich umzustimmen. Das wird dir nicht gelingen. Denk vor allem daran: im Juli kommt deine Mutter für drei Wochen zu Besuch, weil dein Vater zur Kur geht ? Was ich im übrigen bestens verstehen kann, bei deiner Mutter würde ich von der Kur gar nicht wieder kommen. Also, ich muß deine Mutter drei Wochen ertragen. Nein, Christa, entweder kommt deine Mutter nicht, oder es gibt keine Gans zu Weihnachten!“

Spaghetti zu Weihnachten?

Christa war verwirrt. So hatte sie ihren Arno noch nie erlebt. Allerdings, irgendwie hatte er ja recht. All ihre Wünsche rum um das Weihnachtsfest hatte er klaglos hingenommen.
Er fuhr im März in die Weihnachtsbaumschonung und holte den von ihr ausgesuchten Baum, grub in aus und pflanzte ihn umständlich in den Garten wieder ein. Sogar eine Bewässerungsanlage für den trockenen Sommer wollte er noch bauen.
Deshalb sagte sie nun: „Vielleicht hast du recht und wir sollten auf eine Gans verzichten. Ich meine, ich mag Staude ja auch sehr gerne und vielleicht könne wir ihr das tatsächlich nicht antun.“ Außerdem dachte Christa an ihre Mutter. Es war unmöglich sie auszuladen.
Sie hätte Christa sofort enterbt. Und das wäre nicht das Schlimmste gewesen. Ihr Bruder hatte Erna einmal am Telefon abgewürgt, weil er einen wichtigen Termin gehabt hatte. Das hatte Erna so in Rage gebracht, daß sie ihm immer wieder irgendwelche Affären auf den Familienfesten angedichtet hatte. Irgendwann wurde das so massiv, daß nur eine gute Eheberatung die Ehe von Christas Bruder hatte retten können. „Also gut“, sagte sie deshalb, „Deine Familie hat sich am Heiligen Abend ja bereits an die Nudeln gewöhnt.
Dann soll das also unsere neue Tradition werden!“

Die Zeit bis zum Fest

So ging das Jahr dahin.
Der Weihnachtsbaum im Garten gedeihte prächtig vor sich hin. Vorsichtshalber hatten Arno und Malte noch einen Schutzzaun um den Baum herumgebaut. „Sicher ist sicher“, hatte Christa gesagt und Arno hatte gespurt. Nicht zuletzt deshalb, weil dieser Zaunbau in die Zeit fiel, in der Christas Mutter bei den Staudes zu Besuch war. Auch Chris, der Dauerfreund von Sabine half beim Zaunbau.
Arno hatte im wiedereinmal Hausverbot erteilt. Doch durch die Mithilfe konnte er dieses wieder aufheben. Auch ein Verehrer von Anna half. Und so wurde der Schutzzaun perfekt. Am Ende wurde eine Tür eingebaut und diese mit einem dicken Sicherheitsschloß versehen.
Daim Zuge der Baumaßnahmen auch noch den Bau der Bewässerungsanlage mit beinhaltet hatte, brauchte der Baum nicht gegegossen zu werden. Deshalb nahm Christa die Schlüssel an sich und verwahrte sie an einem sicheren Ort auf.
Dennoch hatte Christa so ihre Bedenken. Um ganz sicher zu gehen, kaufte sie im November einen zwei Meter hohen Plasikweihnachtsbaum. Sicher ist sicher.

Alex und das Krippenspiel

Da Alex in den vergangen Jahren nicht an den Krippenspielen teil nehmen konnte und das, obwohl er sich immer so pedantisch auf die Rolle des Jesuskindes und auf die Rolle des Sternes, der den drei heiligen den Weg gewiesen hatte, vorbereitet hatte, startete er in diesem Jahr einen neuen Versuch.
Er fragte den Pastor, ob in der Gruppe der Konfirmanten, die das Krippenspiel wie immer in der Kirche aufführen wollten, für ihn noch ein Platz frei sei. Jedoch waren schon alle Rollen vergeben. Doch der Pastor hatte Mitleid mit Alex, und deshalb baute er einen zusätzlichen Hirten ein. Allerdings sollte sich Alex bei der Aufführung im Hintergrund halten. Immerhin war er eineinhalb Köpfe größer als die anderen. Aber natürlich ging Alex auch an diese Rolle akribisch heran. Zur Sicherheit besorgte er sich drei Kostüme und verteilte diese stategisch an verschiedenen Orten. Das Kostüm mit dem er alle zwei Tage probte bewahre er in seinem Zimmer auf. Ein weiteres wurde in der Sakristei der Kirche aufbewahrt, das dritte Kostüm verstaute er in der Garage

Im Dezember

Vorweihnachtliche Stimmung hatte bei den Staudes Einzug gehalten.
Arno lag mit Staude auf dem Sofa und die beiden genossen den Duft des zweiten Bleches Plätzchen welches Christa im Ofen hatte. Nebenbei genossen die beiden ein paar Plätzchen des ersten Bleches.
Diese hatte Christa zum Abkühlen auf die Terrasse gestellt. Doch Arno konnte nicht anders, als sich eine gute handvoll zu stibitzen und fast brüderlich mit Staude zu teilen. Alex lief mit seinem Hirtenkostüm durch das Haus und probte seinen Auftritt beim Krippenspiel. Sabine blätterte in einem Katalog mit Schmuck und machte Kreuze an den Schmuckstücken, die Chris ihr zu Weihnachten schenken sollte.
Anna überlegte mit wem sie den Anstich des Punschfasses auf dem Weihnachtsmarkt besuchen würde. Auch Malte würde auf den Anstich gehen. Er hatte großen Alkoholdurst. Den hatte er eigentlich immer, aber an diesem Tag sehr ausgeprägt. Vor ein paar Tagen hatte sein Traumfrau ihn nach kurzer Zeit verlassen. Er hatte lange um sie gebuhlt und dann endlich Erfolg gehabt. Doch nun war es leider schon wieder vorbei und er war ziemlich betrübt und hoffte sich beim Punsch ablenken zu können. In diese so friedliche Stimmung platzte ein folgenschweres Telefonat. „Christa, das Telefon!“, rief Arno. Er selbst ging nur an das Telefon, wenn es überhaupt nicht zu umgehen war – also höchstens, wenn er alleine zu Hause war. Christa nahm den Hörer ab. „Hallo Mutter“, war zu hören. Dann kam nur noch ein „Das ist ja schrecklich“ und ein „Ja“
, „Alles klar“ über ihre Lippen. Dann war nur noch das langgezogene Tuten zu hören, welches zu hören ist, wenn der andere Gespächspartner aufgelegt hat. Mit blaßem Gesicht wandte sich Christa zu ihrem Mann.
„Bei meinen Eltern ist eingebrochen worden!“, rief sie. Als die beiden heute Vormittag vom Einkaufen zurückkamen, stellten sie fest, daß die Wohnungstür offen stand. Sie hatten vergessen, die Tür richtig zu verschließen. Und nun ja, ein Landstreicher hatte dieses bemerkt und sich in der Küche über den Inhalt des Kühlschrankes hergemacht. Als die beiden ihn entdeckten, erschraker und leistete keinen Gegenwehr, bis die Polizei eintraf. Er hat sich tausendmal entschuldigt und Franz hatte solch ein Mitleid mit ihm gehabt, daß er sogar noch ein Bier mit ihm getrunken hat. Er wollte ihn schon laufen lassen, aber du kennst ja Mutter, die hat darauf bestanden, daß er mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft wird.“

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„Ah ha.“, entgegnete Arno nicht wirklich interessiert. „Nun ja, jedenfalls will Mutter jetzt erst mal nicht mehr in ihrem Haus leben. Sie haben bereits gepackt und sind auf den Weg hierher! Widerspruch war unmöglich, da sie sofort aufgelegt hatte!“ Als Christa die letzten Worte ausgesprochen hatte, sah sie wie Arno schockiert und leicht bewußtlos von dem Sofa rutschte. Am Abend dieses Tages reisten die beiden an. Arno stürzte sich in den nächsten Tagen in so viel Arbeit, wie er nur bekommen hatte. Nichts trieb in nach Hause. Wenn er dann doch nach Hause mußte, ging er fast immer mit seinem Schwiegervater in die Kneipe. Bei diesen Touren nahm er auch Staude mit. Erna fand es unmöglich, daß eine Gans in einem Haus lebte und schickte sie, wenn immer die beiden alleine waren, in den Garten.
Christa schaffte es immerhin, daß sie mit ihrer Mutter einen Kompromiß schloß. Staude durfte vier Stunden pro Tag im Haus leben, in der übrigen Zeit, mußte sie wieder in ihren alten Schuppen ziehen. Aus diesem Grund nahm Arno seine Gans abends mit, damit sie wenigstens etwas Ablenkung hatte.

Eine Gans gehört zu Weihnachten

Es war der letzte Samstag vor dem Heiligen Abend, der 22. Dezember. Alle saßen beim Frühstück zusammen.
Auch eine Neuerung von Oma, die in der Familie nicht wirklich gern gesehen wurde. Malte war ziemlich verkatert, Anna war erst vor drei Stunden nach Hause gekommen und Sabine mußte ihren Chris in ihrem Zimmer lassen, denn den duldete Erna nicht am Frühstückstisch. In diesem Punkt, und nur in diesem Punkt waren Arno und sie einer Meinung.
Und Alex störte dieses gemeinsame Frühstück bei seinen Proben. „Habt ihr denn schon das Weihnachtsessen besorgt?“, fragte Erna.
„Ja natürlich“, entgegnete Christa, „Dieses Jahr habe ich sogar alles dreimal eingekauft. Und bei meiner letztzen Inspektion gestern war noch alles da.“ „Ja!“, rief Malte aus, „leckere Spaghetti!“ „Ihr wollt am Heiligen Abend Spaghetti essen!“ Erna Stimme überschlug sich fast. „Das ist doch bestimmt deine dusselige Idee. Du und deine Gänseliebe.“, verächtlich schaute sie dabei auf Arno.
„Nein, nein, das haben wir so entschieden. Wir alle.“, antwortete Malte. „Erna“, mischte sich nun Franz ein, „du kannst doch nicht ernsthaft verlangen, daß hier eine Gans gebraten wird. Und ich für meinen Teil esse Nudeln sehr gerne.“, bei diesen Worten ließ er verstohlen ein Stück Brötchen auf den Boden fallen, welches Staude sogleich herunter und schluckte. Es waren gerade seine vier Hausstunden. „Also das gibt es doch gar nicht! Am Heiligen Abend gibt es Gans! Also wer von euch fährt mit mir zum Supermarkt?“
Doch diesmal stieß sie auf Granit. Keiner wollte sie fahren. Empört verließ sie die Küche. Die anderen schauten sich an und schmunzelten. Nun watachelte Staude von einen zum anderen und ließ sich herzen und knuddeln.

Erna gibt nicht auf

Erna kochte innerlich. Ein heiliger Abend ohne Gans ? das kam für sie nicht in Frage. Sie überlegte. Zu Fuß zum Supermarkt und zurück mit einer zehn Pfund Gans, das kam nicht in Frage. Einen Führerschein hatte sie nicht und die Busverbindung war auf Grund des Wochenendes extrem eingeschränkt. Doch irgendetwas mußte ihr doch einfallen.
So verging der Samstag.
Am Sonntag entdeckte Erna das alte Skateboard von Malte in der Garage. Mit diesem wollte sie versuchen zum Supermarkt zu fahren. Doch schon die ersten Versuche vor der Garage waren nicht von Erfolg gekrönt und nur durch Zufall zog sie sich bei den Stürzen keine ernsthafte Verletzungen zu.

Der Morgen des heiligen Abend

An diesem Morgen ging Christa in den Verschlag, in dem Weihnachtsbaum stand.
Hier schmückte sie ihn nach ihren Vorstellungen. Doch als Arno mit seiner Kettensäge kam, um den Baum zu fällen und vorsichtig mit Malte und Franz in die gute Stube bringen wollte, widersprach sie „Nein, nein, das könnt ihr machen, wenn wir nachher in der Kirche sind. Er soll so frisch sein, wie nur möglich.“
Der Morgen ging dahin. Erna überlegte noch immer, wie sie eine Gans bekommen konnte. Schließlich hatte der Supermarkt bis sechzehn Uhr geöffnet. Am Ende war sie so verzweifelt, daß sie sich das große Küchenmesser geschnappt hatte und hinter Staude herlief. Ihr war es nun vollkommen egal, ob es sich bei Staude um die Hausgans handelte oder nicht. Es war der Heilige Abend und da gehört eine Gans auf den Tisch! Doch glücklicherweise war Staude schneller als Erna.
Und schließlich sahen Anna und Sabine das Treiben ihrer Großmutter und konnten sie von ihrem Plan mit leichter Gewalt abbringen.

Es wird Mittag

Plötzlich hatte Erna eine Idee.
Es gab doch ein fahrbereites Fahrrad in der Familie. Dieses gehörte Alex. Die Fahrräder der andern waren defekt und auf den alten Drahtesel von Malte traute sie sich nicht. Doch das Fahrrad von Alex war perfekt.
Es war ein Damenrad mit besonders tiefem Einstieg. Alex hatte sich ein solches Fahrrad gewünscht. Er war auch mit einen schicken Mountainbike Probe gefahren, doch schon den Aufstieg über die Stange hatte er nicht hinbekommen. Nach dem zweiten Versuch und einen angebrochenem Handgelenk hatte er es aufgegeben und sich für das Damenfahrrad mit dem besonders tiefem Einstieg entschieden.
Alex putzte das Fahrrad jede Woche und es war prima in Schuß. Erna wußte, daß Alex um halb vier damit zur Kirche fahren wollte. Nun war es drei Uhr. „Das schaffe ich.“, murmelte Erna und ging in die Garage. Sie setze sich vorsichtig auf das Rad und fuhr auf die Einfahrt.
Da passierte es.
Staude sauste von der linken Seite heran und wollte die Einfahrt überqueren. Als Erna das bemerkte wollte sie erst in Rücktritt treten, um zu bremsen. Doch dann überlegte sie es sich anders.
Warum zum Supermarkt, wenn sich die Gelegenheit bietet, dachte sich Erna. Sie trat voll in die Pedale. Dann gab es einen großen Knall.
Staude erschrak furchtbar und drehte sich um. Sie hatte bereits die Einfahrt überquert gehabt und sah nun, wie Erna unter dem Fahrrad begraben auf der anderen Seite der Einfahrt lag.
Sie hatte beim Beschleunigen den Lenker verrissen und war über den rechten Begrenzungsstein gestürzt. Erna sah zwar ziemlich mitgenommen aus, war aber unversehrt. Das traf allerdings nicht für das Fahrrad zu. Sowohl in vorderen Rad, als auch im hintern Rad waren eine riesige Acht. Erna richtete das Rad auf. Es war jedoch unmöglich es zu schieben.
Erna mußte es in die Garage zurücktragen. Nun war sie vollkommen am Boden zerstört. Nicht wegen des Rades, aber es bestand nun keine Möglichkeit mehr, eine Gans zu bekommen.
Erna holte sich eine Flasche Likör und setzte sich auf die Terrasse.

Ein Schrei

Es war nun halb vier.
Alex wollte sich auf den Weg in die Kirche machen. Er hatte sein Kostüm im Zimmer gelassen. Durch die ständigen Proben war es in Mitleidenschaft gezogen worden und nun wollte er das aus der Sakristei nehmen. Alex hatte noch beim Pastor angerufen und der hatte nachgeschaut und ihm versichert, daß das Kostüm noch da war.
Alex ging also in Garage. Dann war ein markerschütternder Schrei zu hören. Es war Alex. Er hatte sein Fahrrad gesehen. Nun lag er bewußtlos daneben. Durch den Schrei aufgeschreckt rannte die ganze Familie in die Garage. Zuerst die Eltern, dann die Geschwister und zum Schluß Staude mit Franz. Nur Erna blieb wie angewurzelt auf der Terrasse sitzen. Arno half Alex hoch und sagte zu ihm, als er wieder bei Bewußtsein war: „Ist doch nicht so schlimm. Wir haben fünf Autos, dann fährt dich halt einer von uns.“ Dabei griff er in seine Tasche, um den Schlüssel herauszuholen. Doch er hatte seinen Schlüssel nicht dabei. Christa schüttelte mit dem Kopf “ Mein Schlüssel liegt drin.“ Die Schwestern trugen so eng anliegenden Hosen, daß kein Schlüssel in den Taschen Platz finden konnten. „Unsere Schlüssel liegen auch drin.?“ sagten sie deshalb.
Alex hatte nur seinen Fahrradschlüssel dabei. Malte hatte die Garage bereits wieder verlassen und stand an der Tür, als die anderen dort ankamen. „Was stehst du hier rum?“, fragte Anna. „Die Tür ist ins Schloß gefallen“, antwortete Malte. „Dann sei so gut und schließ auf.“, sagte Arno.
„Tut mir Leid, Paps, mein Schlüssel hängt am Schlüsselbrett.“ Alle blickten sich an. „Oh nein“, stöhnte Christa. „Moment mal“, rief Sabine aus, „Oma sitzt doch auf der Terrasse, bestimmt ist die Tür auf.“ Alle stürmten hinter das Haus.
Erna hatte bereits ihren vierten Likör getrunken und schaute verstört auf. „Zu, die ist auch zu!“, rief Christa aus. „Na toll“, stöhnte Anna.

Und was nun

Malte, Arno und Franz begannen zu lachen.
„Also das Weihnachtsfest bei den Staudes ist doch immer wieder ein Abenteuer!“ „Wer von Euch hat ein Handy“?, fragte Christa mit einer Stimmlage die zwischen Verzweiflung und Hoffnung schwankte.
Alle schüttelten mit dem Kopf. Auch Sabine. „Du bist doch echt ganz schön blöd“, rief Malte zu Sabine, „du hast dein Handy doch in der Hand!“ „Ach ja, hab ich irgendwie vergessen.“ „Gib mal her“, mit diesen Worten nahm Arno ihr das Telefon ab. „Wie viel Geld hast du noch auf der Karte?“ „Naja, ein vielleicht zwei Anrufe. Ich hab mir doch ein neues Handy gewünscht.“
Man überlegte fieberhaft. Wenn sollte man anrufen. „Wir können doch bei den Nachbarn telefonieren“, schlug Anna vor. „Geht nicht“, entgegnete Malte, „die sind alle schon zur Kirche aufgebrochen. „Also gut“,meinte Arno, „ein Anruf bei der Auskunft mit Verbindnug zum Schlüsselnotdienst ist drin“.
Und so wählte er die Nummer der Auskunft und ließ sich mit einem Schlüsselnotdienst verbinden. Doch – wie sollte es anders sein – er hatte Pech. Am anderen Ende der Leitung hörte niemand. „Wir können Chris anrufen, der hat einen Schlüssel. Ihr wißt schon, den ich vor ein paar Monaten verloren habe, naja, ich hab ihn Chris gegeben“, murmelte Sabine kleinlaut. „Du hast was!“, Arno glaubte sich verhört zu haben. Doch nun übernahm Christa das Kommando „Reg dich nicht auf. Das können wir später klären. Komm Schatz, ruf ihn an.“
Also wählte Sabine Chris? Nummer und erzählte ihm von dem Mißgeschick. Erleichtert legte sie auf. „In drei Stunden ist er hier!“, verkündigte sie voller Stolz. „In drei Stunden?“ „Ja, er arbeitet heute als Weihnachtsmann und kann vorher nicht herkommen.“ „Na toll!“, seufzte Christa, sie hatte ihre Energie wieder verloren.
Doch nun war Arno wieder auf den Plan gerufen. „Ist doch kein Problem. Du hast doch eine Portion Spaghetti in der Garage deponiert. Und unser altes Campinggeschirr samt Kocher ist doch auch dort.“ „Ja und so einen lumpigen Plastikweihnachtsbaum habe ich dort auch gesehen!“, vermeldete Malte. Campinggeschirr, lumpiger Weihnachtsbaum, Christa schwirrte der Kopf. Doch nun übernahmen Arno, Malte, Franz und Anna die Initiative.
Während Arno und Malte das Essen kochten und Tisch und Stühle von der Terrasse holten, wobei sie einen Stuhl zu zweit tragen mußten, weil sich Erna weigerte aufzustehen, deckte Anna den Tisch. Franz stellte den Plastikbaum auf und schmückte ihn mit allem was glitzerte und in der Garage zu finden war. Dann war es soweit, die Familie samt Staude saß in der Garage und machte sich über einen riesengroßen Berg Spaghetti her. Sie wünschten sich ein frohes Fest und stießen mit Dosenbier an, welches Malte in der Garage für Notfälle verstaut hatte. Staude gackerte fröhlich und alle waren bester Laune.
Dieses Jahr sogar Alex. Er hatte sich das Kostüm aus der Gagage angezogen und führte seine Rolle als Hirte auf. Lediglich Erna saß auf ihrem Stuhl und war unglücklich. Dieses Fest gefiel ihr gar nicht. Als nach einigen Stunden Chris in seinem Weihnachtsmannkostüm eintraf, schickten sie ihn in das Wohnzimmer, um die Geschenke zu holen.
Und so kam es, daß die Bescherung bei der Familie Staude dieses Jahr unter dem festlich geschmückten Plastikbaum in der Garage statt gefunden hatte. Und so kam es, daß die Familie Staude dieses Jahr die Bescherung unter einen festlich leuchtenden Plastikbaum in der Garage vornahm.

Fröhliche Weihnachten

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