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Weihnachtsgeschichte 2008: Schnee – Hitze – Schnee

Wiederum haben Sie die Möglichkeit neue Geschehnisse zu lesen, die sich bei der liebenswerten Familie Staude rund um das Weihnachtsfest ereignet haben. Die Geschichte baut ein wenig auf die vorherigen Jahre auf, lässt sich aber auch ohne Vorkenntnisse lesen. Erfahren Sie etwas über den Winter, einen Sommereinbruch und was das alles mit Weihnachten zu tun hat. Aber lesen Sie selbst…

Alle Jahre wieder

Die Familie Staude hatte das turbolente Weihnachtsfest des letzten Jahres gut verkraftet. Die Familie hatte im Harz in einer Hütte festgesessen. Ein plötzlicher und unerwarteter Schneefall hatte dafür gesorgt.

Im Rückblick fand die Familie das richtig klasse. Alle bis auf Oma. Die hatte versucht die Hausgans Staude, die nun schon seit einigen Jahren bei den Staudes lebte, ums Leben zu bringen. Eine Gans im Haus, dass ging für Oma nicht. Sie konnte sich damit einfach nicht abfinden. Am schlimmsten fand sie, dass alle anderen die Gans als ganz normal empfanden. Selbst Opa widersprach ihr energisch, „So eine liebe Gans wie Staude, da kannst du doch nicht wirklich erwarten, dass man so ein liebes Tier zu Weihnachten isst.“. Oma konnte das überhaupt nicht nachvollziehen. Sie lebte sehr traditionell. Und so gehörte eine knusprige Weihnachtsgans zum Heiligen Abend und keine Spaghetti.
Als Staudes ihr Häuschen im Harz verlassen konnten, nahmen sie den prächtigen Weihnachtsbaum mit und stellten diesen in der Wohnstube auf. Dort stand er dann bis Mitte Februar. Auch Mutter Christa hatte ihre Traditionen.
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Alles wie immer

Das Jahr nahm seinen Lauf. Vater Arno, der immer alles gleichgültig über sich ergehen ließ, hatte ernsthafte Rückschläge hinzunehmen.
Die älteste Tochter Sabine, die immer noch als Friseurin arbeitete, schockte im März die Familie. „Ich ziehe jetzt mit Chris zusammen.“, erzählte sie an einem Abend. Arno fiel tatsächlich und buchstäblich die Gabel aus der Hand. Er saß gerade mit Christa beim Abendessen, als Sabine in die Küche stürmte und wie immer ohne Ankündigung losredete. Normalerweise störte ihn das nicht. Arno kannte seine Kinder. Er hatte gelernt, die Anwesenheit dieser zu ignorieren und erst zu reagieren, wenn er direkt angesprochen wurde.
Wichtig war das vor allem bei seinen Söhnen. Da war Malte, nunmehr 20 Jahre alt und sein Zivildienst absolviert. Das war es aber auch. Wenn er gefragt wurde, was er denn so macht, sagte er Privatier. Das störte Arno anfangs sehr. Immerhin lebte dieser Privatier von ihm. Doch auch das war im nun egal.
In seinen anderen Sohn Alex hatte er Hoffnungen. Nicht das er irgendwann mal ein normales soziales Leben führen würde. Dafür, so Arnos Meinung, wird er nie in der Lage sein. Aber er wurde in der Schule, gerade in Mathematik und Physik, immer besser. Seine Leistungen waren ausgezeichnet. Das wird ein Eierkopf, war sich Arno sicher.
Nun aber fiel ihm tatsächlich die Gabel und der Brocken Kartoffelbrei fiel zu Boden, sehr zur Freude von Staude, die sich fröhlich quakend über den unerwarteten Leckerbissen hermachte.
„Du willst mit diesem Versager zusammen ziehen. Das kann doch nicht dein ernst sein!“ Sabine schaute ihren Vater verdutzt an. So eine Regung hatte sie nicht erwartet. Doch Mutter Christa sprang ihr zur Seite. Nicht das sie Chris sonderlich mochte. Aber irgendwie wollte sie schon, dass die Kinder irgendwann mal ausziehen. „Arno“, fuhr sie ihn an, “ so ein Versager ist er kann gar nicht. Bedenke bitte, dass er uns die letzten Weihnachtsfeste alle gerettet hat.“ Das stimmte. In all den Turbolenzen, die die Familie in den letzten Jahren erlebt hatte, war es immer Chris, der das Fest gerettet hatte. „Aber, aber…“, Arno stotterte, halb vor Erregung, halb vor Verzweiflung, “ ihr beide. Zusammenziehen. Das kann doch wohl nicht wahr sein.“ Aber dennoch wusste er, dass es keinen Sinn machte zu widersprechen. Wenn sich die Frauen einig waren, war er geschlagen. Im Geist sah er sich bereits Kisten schleppen, Schränke aufbauen und er wusste genau, dass Chris dabei nur schlaue Bemerkungen machen würde. Dann sah er noch, wie Christa und Sabine bereits einen Ikea Katalog rausholten und Möbek anschauten. Nun sah er auch noch seine Geldbörse schrumpfen. Der Appetit war ihm vergangen. Er ging ins Herrenzimmer. Das hatte Malte eingerichtet. Dort stand ein Flachbildfernseher, ein Kühlschrank und gemütliche Sessel. Malte saß dort mit zwei Freunden. Sie schauten Fußball. Arno setzte sich dazu und half den beiden den Kühlschrank zu leeren.

Kinder, Kinder

Sabine war ausgezogen. Bereits nach zwei Tagen hatte sie wieder eine Nacht zu Hause geschlafen. Der Kühlschrank in der neuen Wohnung war leer. Keiner wollte Verantwortung übernehmen. Es gab Streit und Sabine war wieder zu Hause. Das wiederholte sich einige Male und Arno war sich sicher, bald Sabine wieder ganz zu Hause zu haben.
Dafür machte ihm seine andere Tochter Freude. Sie hatte im Juni tatsächlich ihr Abitur bestanden. Wie wusste allerdings keiner. Durch die schriftliche Prüfungen war sie so gerade durchgekommen. Es kam auf die mündlichen Prüfungen an. Doch hier konnte sie ihre Reize, die sie sehr gekonnt einsetzen konnte, voll ausspielen. Sie wusste, dass in der ersten Prüfung der junge Referendar Mathias saß. Der hatte Sport und Biologie studiert. Und Anna musste in Biologie in die Nachprüfung. Also zog sie sich entsprechend an. Nämlich so, wie man einen jungen Referendar von dem eigentlichen Thema ablenken konnte. Es ging voll auf.
Auf in der anderen Prüfung, Deutsch, konnte sie auf ihre Vorzüge bauen. Thomas, so hieß der Referendar war ziemlich abgelenkt. Anna schaffte es. Das Abitur hatte sie in der Tasche. Das wurde ausgiebig gefeiert. Zunächst fuhr sie mit Rainbow Tours nach Lloret de Mar. Das neben den reichlichen Verehrern, die sowieso immer um sie herumschwirrten, auch Mathias dabei war, blieb ein Gerücht. Danach fuhr sie noch mit der AIDA durch die türkische Ägäis. Oma hatte die zweite Reise spendiert. Hier war offiziell nur eine Freundin dabei. Allerdings soll es ein Foto geben, auf dem auch Thomas zu sehen war.
Auch bei Malte gab es Fortschritte. Angeblich hatte er sich in der Universität eingeschrieben. Angeblich wollte er Jura studieren. Das jedoch stellen seine Eltern heftig in Frage. Wenn er mal das Haus verließ, war es meistens schon Mittag. Und selten hatte er eine Tasche dabei. Aber Nachfragen brachten immer Beteuerungen und so glaubten sie ihm.
Im übrigen kam er seinen Verpflichtungen im Haushalt voll nach. Der Baum für das Fest war wie immer bereits im März ausgesucht. Wie immer wurde er ausgraben und im Garten der Staudes in dem dafür vorgesehen Verschlag eingepflanzt worden. Es war Maltes Aufgabe sich um den Baum zu kümmern und das tat er mit vollem Verantwortungsgefühl.
Auch die anderen Vorbereitungen waren abgeschlossen. Christa hatte Spagehtti und Soßen besorgt. Wie immer dreifach. Wer weiß was passiert. Auch Oma und Opa hatte sie wieder eingeladen. Diese Einladung hätte Arno zwar gerne verhindert, doch da hatte er keine Chance.

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Der Winter kommt

Das Weihnachtsfest kam näher. Es war Ende November. Der Winter schien es gut zu meinen. Über Nacht hatte es Schnee gegeben. 30 cm hoch lag er. Der Ort sah aus, wie unter einer Puderzuckerschicht. Christa war ganz verzückt. „Stell dir mal vor, dass das bis Weihnachten bleibt. Das wäre doch richtig super.“, sagte sie zu Arno. Der widersprach nicht. Er wusste sehr wohl, dass bis zum Heiligen Abend noch eine ganze Zeit vergehen würde. Aber Christa war so glücklich und ausgeglichen. Diese Stimmung wollte er nicht aufs Spiel setzten.
Also schippte Arno den Schnee beiseite und das Haus wurde für die Weihnachtstage hergerichtet. Dazu gehörte das in diesem Jahr eine ganze Armada von beleuchteten Weihnachtsgestalten im Garten und an dem Haus angebracht wurde.
Christa hatte das in einem Weihnachtsdorf in Las Vegas gesehen. Dort hatten sie ihren Urlaub im Oktober verbracht. In einem der Hotelcasinos war ein Weihnachtsdorf aufgebaut. Das war hell und – wie Arno fand – vor allem kitschig. Aber Christa war verzückt. Und der Zufall wollte es, dass sie auch noch unverschämt viel Glück beim Spielen in dem Casino hatte. Beim Einarmigen Banditen knackte sie tatsächlich den Jackpot: 80.000 $. Sofort rannte sie in das Weihnachtsdorf und kaufte dort Dekorationsgegenstände für 2.700 $. Das reichte aus. Vier Wochen später kam ein großer Container und brachte die Figuren. Nun war es Arno und Malte die Stromanschlüsse zu wechseln und die Figuren aufzubauen. Sicherheitshalber überließ Arno das Zusammenbauen Malte und kümmerte sich um die Stromstecker selbst.
Arno hatte zwar große Schmerzen bei den Gedanken an die Stromrechnung, aber Christa setzte sich durch. Immerhin hatte sie den Jackpot geknackt und die Stromrechung sollte von dem Gewinn bezahlt werden.
Als die Figuren nun an dem Montag nach dem Totensonntag, so viel Anstand musste sein, angeschlossen worden, funktionierte tatsächlich alles. Nun ja, fast alles. Die Anschlüsse waren solide auf deutsche Steckverbindungen gewechselt worden. Arno hatte gute Arbeit geleistet. Aber Malte hatte etwas gepfuscht. Es war seine Aufgabe gewesen, die Figuren auf dem Dach zu befestigen. Diese Aufgabe hatte ihn wohl überfordert. Die Verbindungen des Rentierschlitten waren nicht richtig zusammengeschraubt. Als der erste Strom durch die Beleuchtung floss, lösten sich die Verbindungen. Das Rentiergespann stürzte vom Dach. Nur knapp verfehlte es Anna. Christa hatte dafür gesorgt, dass die ganze Familie und viele Nachbarn draußen stand, um den Moment zu erleben, wen Arno den Schalter umlegte.
Anna hatte ihren neuen Verehrer Thomas dabei. Der hatte einen kleinen Stand aufgebaut, auf dem er Glühwein verteilte. Thomas wurde von den herunterfallenden Teilen nicht verschont. Ein Plastikgeschenk stürzte genau auf seinen Kopf. Glücklicherweise bremste seine modische Mütze, die Arno ziemlich albern und Anna ziemlich cool fand, den Aufprall. Doch irgendwie sah er ganz schön lächerlich mit dem gelben Geschenk auf dem Kopf aus. Die Frauen kümmerten sich gleich um Thomas und gaben Entwarnung. Arno nahm das zur Kenntnis und war froh, dass dem Glühwein nichts passiert war.
Der Abend ging stimmungsvoll weiter. Selbst Sohn Alex war erstaunlich gut drauf und zog sich nicht zurück, um über schwierige Matheprobleme nachzudenken. Erst als er am nächsten Morgen aufwachte und ziemlich schnell die Toilette aufsuchen musste, wussten alle warum. Es gab extra für ihn einen Topf mit alkoholfreiem Glühwein. Diesen hatte Malte jedoch heimlich mit einem großen Schluck Rum aufgewertet.

Gute Nachricht – schlechte Nachricht

Es war nun Mitte Dezember. Der Schnee lag noch immer. Es hatte sogar noch mehr gegeben. Fast täglich musste der Schnee geschippt werden. Mittlerweise hatte Arno einen Plan dafür erstellt. Erstaunlicherweise standen dort nur die Namen von Alex und Malte. Diese murrten zwar, aber schließlich fügten sie sich.
Dann kam ein Anruf. Oma rief an. Sie wohnten recht weit entfernt. Auch hatte es heftig geschneit. Oma und Opa wollten am 20. Dezember anreisen. Als es nun klingelte, nahm Christa das Gespräch entgegen. Arno hörte nur, was sie sagte: „Das ist aber schade.“, „Könnt ihr das nicht irgendwie einrichte“?, „Aber da muß es doch eine Lösung geben“, „Die Kinder werden bestimmt traurig sein“, „Doch Arno wird bestimmt auch traurig sein“, ?Bestimmt“.
Dann legte Christa auf. „Oma und Opa können uns leider nicht besuchen kommen. Bei dem vielen Schnee wollen sie nicht anreisen. Außerdem wollten sie ihr Haus bei dem immer wieder einsetzenden Schneefall nicht zurücklassen.“, sagte sie zu Arno. Oma war da sehr pflichtbewusst. Sobald es schneite schickte sie Opa zum schippen raus. Dabei war ihr die Uhrzeit egal. „Na ja, dann haben wir wenigsten ruhige Tage. Ich meine, immer versucht sie unseren Staude um die Ecke zu bringen. Schau ihn dir doch mal an. Er ist doch auch schon ganz fertig und weicht mir nicht mehr von der Seite.“ Das war tatsächlich so. Das ganze Jahr über war Staude ein Freigeist und bewegte sich im ganzen Haus und Garten. Nur abends holte sie sich gerne Streicheinheiten ab. Sobald aber die dritte Kerze auf dem Adventkranz brannte, verzichtete Staude auf seinen Freiraum. Er wich Arno nicht mehr von der Seite und wenn der das Haus verließ, kam Staude entweder mit oder er suchte den Schutz von Malte. Glücklicherweise verbrachte der in der Weihnachtszeit so gut wie gar keine Zeit mehr in der Uni. „Trotzdem ist das sehr schade, wenn meine Eltern nicht da sind.“ Christa war unzufrieden. Noch ahnte sie nicht, was sie noch erwarten sollte.
Arno schaltete den Fernseher an und hörte etwas, das ihn verunsicherte. Der Wettermann faselte etwas von einem außergewöhnlichen Wetterphänomen. Auf Grund einer besonderen Wetterkonstellation sollte es einen extremen Wetterumschwung geben. Dieser Wetterumschwung sollte mit einen Temperaturwechsel einhergehen. Zur Zeit hatte es im Mittel – 3 Grad. Die Temperatur sollte um 20 – 25 ansteigen. Arno konnte das nicht glauben. Vor allem wollte er es nicht glauben. Denn wenn das wirklich wahr sein sollte, dann musste er sich ernsthafte Sorgen um Christa machen.

Hitze

Der nächste Tag war ein Samstag gewesen. Die Kinder waren feiern gewesen und lagen noch angeschlagen im Bett, als alle von einem gellenden Schrei und dann von einem lauten Aufprall geweckt wurden. Verschlafen trafen sich alle in der Küche. Dort lag Christa auf dem Boden – bewusstlos. Anna und Staude kümmerten sich um sie. Staude watschelte aufgeregt schnatternd um sie herum und Anna griff zum Riechsalz, das immer griffbereit lag. Die Männer der Familie schauten aus dem Fenster und konnten ihren Augen kaum trauen.
Der Schnee war weg – geschmolzen. Alles weg. Dazu schien die Sonne. Erst jetzt fiel ihnen auf, dass es im Haus auch richtig warm war. Die Heizung war an und von draußen kann zusätzlich eine enorme Wärme ins Haus. Malte ging raus. „Das glaubt ihr nicht.“, sagte er als er auf das Thermometer gesehen hatte. “ Es hat 17 Grad.“ Ungläubig schauten die anderen sich gegenseitig an. Auch Christa kam zu sich. „Was ist denn nur passiert?“, fragte sie.

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Arno erzählte von dem Wetterphänomen, aber Christa verstand es nicht. Sie wollte es auch nicht verstehen. Alles war gut. Schnee lag. Das Essen war gekauft. Der Baum war prächtig. Und jetzt das.
Der Vormittag ging dahin. Es wurde sogar noch wärmer. Mittags zeigte das Thermometer 21 Grad und die Sonne schien vom Himmel.

Die Poolparty

Christa saß in der Küche und wusste nicht weiter. Sie glaubte an eine Verschwörung. Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Irgendjemand wollte wohl nicht, dass sie endlich mal ein richtig schönes Weihnachtsfest feiern konnte.
Malte, der mittlerweile mit kurzen Hosen herumlief, kam auf eine Idee, welche die Laune von Christa nicht eben konnte. Er stellte tatsächlich im Garten den Pool auf, den er im Sommer gekauft hatte. Mit der Pumpe war der Pool schnell gefüllt und Arno hatte einen Durchlauferhitzer, mit dem man sehr schnell große Mengen an Wasser erwärmen konnte. Gebaut hatte er den Erhitzer, um im Falle eines Eisregen den Weihnachtsbaum, der bis zum Abend vor dem Heiligen Abend draußen stand mit warmen Wasserdampf zu entfrosten. Da die Stromrechung durch die Festbeleuchtung eh hoch ausfallen würde, war es Arno egal, dass der Erhitzer nun den Inhalt des Pools erwärmte.
Schnell sprach sich bei den Freunden der Kinder herum, dass es an diesen Samstag kurz vor dem Fest eine Poolparty bei den Staudes geben würde. Mindestens 20 junge Leute liefen durch den Garten und vergnügten sich an Pool. Malte hatte noch Bier besorgt und so wurde es immer stimmungsvoller. Christa indes brach vollkommen zusammen, als sie mit ansehen musste, dass Arno sich auch an dem Pool erfreute und zusammen mit Staude die Fluten teilte.
Natürlich lief der Nachmittag nicht nur harmonisch. Arno musste nach einiger Zeit energisch eingreifen als sich ein Freund von Malte an Anna ranmachen wollte. Das konnten die Verehrer und der aktuelle Freund sich natürlich nicht bieten lassen. Es kam zu einem kurzen Wassergefecht bei dem die Jüngern deutlich die Oberhand hatten. Die Älteren waren doch mehr am Kühlschrank gewesen als im Wasser und ihre Reaktionen waren doch sehr langsam.
Doch Arno brachte Abkühlung. Zunächst spritzte er alle mit kalten Wasser aus dem Gartenschlauch ab und dann ordnete er an, dass die jungen Damen ihren Bikiniwettbewerb einstellten. Nachdem sie sich ein wenig weniger gewagte Schwimmkleidung angezogen hatten, konnte die Party weitergehen.
Der Höhepunkt der Feier und gleichzeitig der absoluten Tiefpunkt des Tages für Christa ereignete sich kurz vor dem Sonnenuntergang. Alex hatte auch zwei Freund, seine einzigen, angerufen. Diese hatten erst noch über die physikalischen Parameter von Materie in Wasser gesprochen und wollten das nun auch mal praktisch ausprobieren. Also zogen sie sich ihre Badehosen an und wollten testen, welche Trägheit der Stoff beim plötzlich Auftauchen hatte. Sie hatten eine Stopuhr dabei, die Chris, der natürlich ebenfalls gekommen war, bediente. Dabei stellte er sich zunächst sehr ungeschickt am, sodass der Versuch mehrfach wiederholt werden musste. Zehn brauchbare Versuchszeiten benötigten die ambitionierten Hobbyphysiker. Sie hatten nicht bemerkt, dass sich Malte mit vier Freunden abgesprochen hatte. Zwei von ihnen und Malte glitten unbemerkt hinter den drei in das Wasser. Als sie nun zum letzten Auftauchen ansetzten, hielten ihnen Malte und seine Freunde die Badehosen fest. Die anderen hatten die Fotohandys griff ? und auslösebereit in den Händen. Und es funktionierte. Alex und die beiden anderen standen ohne Badehose in dem hüfthohen Wasser.
Ehe sie richtig begreifen konnten, waren sie umgeben von schallendem Gelächter. Mit hochroten Köpfen sprangen sie aus dem Pool und liefen ins Haus. Für Alex war das Weihnachtsfest bereits jetzt gestorben. Glücklicherweise tauchten die Fotos weder im Internet noch am Schwarzen Brett der Schule auf.
Jedoch hatte auch Christa alles mitbekommen. Es reichte ihr jetzt. Mit einem Küchenmesser ging sie in den Garten. Drei gekonnte Schnitte und aus dem Kammern des Pools entwich in sekundenschnelle die Luft. Die Feier war vorbei. Auch weil alle Christas Gesichtsausdruck gesehen hatten.

Die weiße Pracht muss her

Der Sonntag begann genau so wie er Samstag. Es war warm und sonnig, vom Winter keine Spur. Christa hatte die ganze Zeit gegrübelt, wie sie den Winter zurückholen konnte. Sie hatte auch mit Alex gesprochen, ob dieser nicht eine Art Wettermaschine erfinden konnte. Doch der war zum einen durch das Badehosendebakel noch nicht wieder richtig auf dem Damm, daneben war er aber auch der Meinung, dass der Bau einer solchen Maschine völlig unmöglich war.
Aber Christa versuchte dennoch einiges. Sie rief zunächst bei einer Spedition an und erkundigte sich, welche Kosten wohl anfallen würden, wenn man einen LKW voller Schnee vom Harz holen würde und zu ihnen bringen würde. Es war nicht ganz einfach an einem Sonntag überhaupt jemanden zu erwischen und wenn es dann doch klappte, bekam sie Absagen. Vor allem weil der Transport am Nachmittag des Heiligen Abend durchgeführt werden sollte. Schließlich fand sie eine Spedition. Auch mit dem Preis war sie einverstanden. Also machte sie sich nun auf die Suche nach Schnee. Sie rief bei allen Tourismusbüros im Harz an. Doch sie hatte kein Glück. Dann rief sie in den anderen Mittelgebirgen und hatte auch kein Glück. Das Wetterphänomen hatte ganz Deutschland erfasst. Schließlich rief sie in Garmisch Partenkirchen an und hatte Glück. Dort, auf der Zugspitze lag Schnee. Auch konnte sie hier einen LKW voll abholen lassen. Jedoch war hiermit der Spediteur nicht einverstanden. Am Heiligen Abend in die Alpen zu fahren, nein dazu hatte er auch keine Lust. Also legte Christa erschöpft den Hörer aus der Hand und hatte keine Lust mehr auf Weihnachten.
Allerdings war damit die Aufregung im Haus Staude nicht vorbei. Am frühen Abend klingelte es an der Tür. Arno ging zur Tür und öffnete sie. Als er die Gäste vor der Tür sah, entgleisten ihm die Gesichtszüge. Oma und Opa waren da.

Schnee

Am nächsten Morgen, ein Montag an dem bereits alle Urlaub hatten dachten die Familienangehörigen ein deja-vu zu haben. Wieder wurden sie von einem gellenden Schrei und einem lauten Knall geweckt. Allerdings folgte kurz darauf ein weiterer Schrei und ein weiterer Aufprall. Als Arno, Malte, Anna und Alex die Küche erreichten, bot ihnen ein merkwürdiges Bild. Auf dem Boden lag Christa und Oma. Beiden konnte schnell mit dem Riechsalz geholfen werden. Doch nun musste der Sachverhalt aufgearbeitet werden. Zuerst war hatte Oma geschrieen und zu Boden gegangen. Sie war früh aufgestanden, um die mitgebrachte Gans einzulegen und für den morgigen Tag vorzubereiten. Dabei hatte sie feststellen müssen, dass an dem Platz im Kühlschrank nur noch eine Visitenkarte der Tafel e.V.. Das führte dazu, dass sie zu Boden ging. Christa war als erste in der Küche. Sie sah Oma dort liegen und sah den offenen Kühlschrank. Das hatte sie nicht dazu bewogen, aufzuschreien. Vielmehr schaute sie beim Schließen des Kühlschranks aus dem Fenster und durfte feststellen, dass draußen Schnee lag. Mindestens 30 cm hoch. Außerdem kamen dicke Schneeflocken vom Himmel. Das brachte erst den Schrei und dann den Aufprall.
Malte machte den Fernseher. Auf allen Kanälen liefen Sondersendungen wegen des Wetterumschwungs. Keiner hatte diesen erneuten Umschwung erwartet. Doch nun erklärten alle, dass das zum Phänomen dazu gehören würde und der Winter eine ganze Zeit lang bleiben würde.
Christa war nun richtig glücklich. Dieses Jahr konnte es also ein richtig schönes Fest werden

Eisesglätte

Doch soweit war es noch nicht. Oma war auch wieder auf den Beinen. Allerdings hatte sie nun zwei Probleme. Da war ihr Haus und die Schneemassen, die nun keiner wegschippen würde. Und da war da das Gansproblem. Die eine war weg und es drohte wieder ein Festessen mit Spaghetti zu geben. Aber das wollte sie nicht hinnehmen. Außerdem gab es ja noch eine lebende Gans in dem Haus. Also dann musste die halt herhalten. Und dieses Jahr sollte es für Staude kein Entkommen geben.

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Zwar wurden alle Messer in dem Haus unter Verschluss gebracht. Und zudem wurde Opa beauftragt das Gepäck von Oma zu untersuchen. Dabei fand er tatsächlich zwei große Messer. Eines in einem doppelten Boden ihres Koffers. Eines sorgfältig eingewickelt in einen Mantel. Also wurden alle Messer in eine Kiste geschlossen. Den Schlüssel zu der Kiste verwahrte Christa. Aber davon ließ sich Oma nicht abhalten. Sie ging in die Garage und entdeckte den Rasenmäher. Das Schneidemesser wurde nach dem letzten Einsatz sorgfältig von Arno geschliffen. Oma wusste das. Also suchte sie sich passendes Werkzeug und schraubte das Schneidemesser ab. Damit bewaffnet machte sie sich auf die Suche nach Staude. Uns tatsächlich entdeckte sie ihn, als er auf dem Weg durch die Terrassentür nach draußen war. Oma zögerte nicht lange. Sie lief auf Staude zu. Der erkannte die neuerliche Gefahr und watschelte so schnell es nur ging davon. Allerdings hatte er gerade gefressen, so dass er nicht sonderlich schnell war. Panisch und laut schnatternd lief er in die Richtung, wo gestern noch der Pool gestanden hatte. Die Reste waren unter der Schneedecke noch zu erkennen. Staude lief darauf zu und auf einmal begann sie auf ihren großen Füßen zu rutschen. Auf der Fläche, auf der gestern der Inhalt des Pools ausgeflossen war, war der Schnee zuerst nicht liegen geblieben. Zuvor war der Schnee geschmolzen und hatte die Wasserfläche noch vergrößert. Jetzt war die Fläche gefroren und von einer dünnen Schneedecke bedeckt. Man konnte die Eisfläche, auf der Staude nun schlitterte, nicht erkennen. Auch Oma nicht. Die rannte, mit dem Messer in der Hand, hinter Staude her und geriet nun auch auf die Eisfläche. Oma war vollkommen verwirrt. Sie wusste nicht recht wie ihr geschah. Die ersten Meter rutschte sie auf der Eisfläche und schaffte es gekonnt sich auf den Beinen zu halten. Doch dann passierte es. Oma verlor die Balance. Sie strauchelte. Sie schrie auf. Dann ruderte sie wild mit den Armen. Doch das nützte nichts. Oma stürzte.
Durch das Spektakel angezogen rannten Christa und Arno ins Freie. Das Bild, das ihnen geboten wurde, war recht komisch. Staude stand in der Schneedecke und quakte fröhlich. Oma lag auf dem Eis und hielt sich ihr Bein. Christa lief zu ihrer Mutter und half ihr auf. Arno lief sofort zu Staude, ohne allerdings vorher nicht das Schneidemesser einzusammeln.
Christa brachte Oma in die Küche. Hier stellte sich heraus, dass sie sich den linken Fuß verstaucht hatte. Von nun konnte sie nur noch humpeln und Staude war in Sicherheit.

Ein ganz normaler Tag

Der Heilige Abend war gekommen. Alles war perfekt. Draußen lag Schnee. Der Baum war am Vorabend noch in das Wohnzimmer gebracht worden und erstrahlte in seiner schönsten Pracht. Die Spaghetti und Saucen waren vollständig vorhanden.
Nach dem gemeinsamen Kirchengang fand sich die ganze Familie an der festlich geschmückten Tafel wieder. Auch die andere Verwandtschaft hatte sich, zum Unmut von Arno, durch den Schnee nicht abschrecken lassen und war ebenfalls vollständig vorhanden.
Nun brachte Christa mit Anna und Sabine die dampfende Schale mit den Spaghetti und die Saucen in das Wohnzimmer. Nach dem Essen gab es die Bescherung und alle waren glücklich. Nur Oma nicht. Sie saß auf dem Sofa und musst tatenlos mit ansehen, wie Staude fröhlich durch das Wohnzimmer lief und sich von allen streicheln und verwöhnen. Aber auch für Arno war das Fest am Ende doch zu ruhig gewesen Er überlegte ernsthaft im nächsten Jahr einen Hund anschaffen. „Mal sehen, was der so anstellen wird.“, dachte er sich.

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