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Weihnachtsgeschichte 2005: Die Gans gehört zu Weihnachten

Nach all den Problemen und Schwierigkeiten, die die Familie Staude in den letzten Jahren rund um das Weihnachtsfest erleben erleben mußte, bemüht sich vor allem Mutter Christa dieses Jahr, alles so vorzubereiten das nichts schief gehen kann. Doch wenn man sich eine Gans in das Haus holt und vier Kinder hat, die immer für Überraschungen gut sind, dann läuft doch nicht alles so, wie geplant, aber lesen Sie selbst…

I. Ankunft in Deutschland

Die Familie Staude wollte dieses Jahr wieder ein ganz normales Weihnachtsfest feiern. Vor allem Mutter Christa wollte dies. Nach zwei Festen, die so gar nicht nach ihrem Geschmack verliefen waren, wollte sie wieder einen großen, prächtigen Baum; eine Gans, dazu Knödel und vor allem keine Reise über die Festtage. Diese alles teilte sie ihrer Familie mit, nachdem sie Anfang Januar aus der Karibik zurück gekommen waren. „Ich will aber wieder in die Sonne“, klagte Malte der älteste Sohn, er war Anfang zwanzig. „Allein die Wetten darum, ob der deutsche Industriewachs der mitgebrachten Kerzen schneller durch die Flame schmilzt oder durch die Sonnenstrahlen der karibischen Sonne!“ Hier musste auch Vater Arno schmunzeln.
Er und sein Sohn hatten darauf Wetten abgeschlossen. Denn freilich hatte Christa eine, wenn auch kleine, Tanne mit in den Urlaub genommen. Das sie in der Karibik gelandet waren und nicht wie geplant in Kanada, hatte sie nach einigen Tagen am Strand verarbeitet – dennoch, nie wieder würde sie Weihnachten in der Ferne feiern. Wer bei den Wetten verlor, mußte dem anderen einen Cocktail ausgeben. Das sorgte dafür, das Arno viel schlief und Malte, bestärkt durch den alkohlischen Inhalt der Cocktails, an der Bar die mitreisenden Schönheiten ansprach – ohne jeglichen Erfolg.
Der weitere Sohn Alex, 16 Jahre alt, war mit der ganzen Situation überfordert. Er war zwar hochintelligent, doch wenn etwas passierte, was nicht zu berechnen war, dann zweifelte er an der Welt und heulte lieber den ganzen Tag. Durch diese unglückliche Fehlbuchnung der Reise hatte er zum zweiten Mal die Rolle seines Lebens bei einem Krippenspiel verpaßt – die Rolle des Jesuskindes. Damit wurde er nicht fertig. Auch seine Familie konnte ihn nicht aufrichten. Was Alex jetzt brauchte waren seine zwei Freunde von dem Schachklub. „Oh ja“, dachte er, „mit denen werde ich ein zünftiges Glas Apfelsaft trinken und vielleicht nehme ich sogar ein paar Bierkronkorken mit, da könne wir dann dran riechen.“ Bei diesen Gedanken lächelte er nun auch ein wenig. Dabei hatte er vergessen, daß er das letzte Mal nach dem Kronkorkenschnüffeln so heftig Karusell in seinem Bett gefahren war, daß Mutter Christa einiges an Wäsche zu waschen hatte.

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II Auch die Töchter sind dabei

Dann waren da noch die beiden Töchter. Anna war seit drei Monaten 18 Jahre alt, und bereits durch vier Unfälle aufgefallen. Es waren keine schlimmen Unfälle. Sie hatte zum Geburtstag von der Großmutter ein Auto geschenkt bekommen – das fünfte in der Familie. Nur leider konnte sie nicht einparken. Wenn sie nach Hause kam, parkte sie umständlich zwischen den anderen Autos der Familienmitglieder ein. Nun ja, sie versuchte einzuparken.
Zweimal bekam sie genau in diesem Moment einen Anruf von einem ihrer Verehrer, Dieses hatte zur Folge hatte, daß sie nun keinen Gedanken mehr auf das Einparken verwenden konnte. So wurden Arnos und Maltes Auto in Mitleidenschaft gezogen. Christas Auto wurde touchiert, als sie sich innig von einem Verehrer verabschiedete und sich dabei die Handbremse löste. Bei dem Unfall mit Sabines Auto hingegen hat sie nur zur Hälfte Schuld. Beide Töchter kamen zur selben Zeit von zwei Richtungen nach Hause und wollten in das Grundstück einbiegen. Keiner bremste. Ein Zusammenstoß war unausweichlich.
Als Arno durch den Knall aufgeschreckt nach draußen lief, die Position der Autos sah und das Gezeter und die Schuldzuweisungen der beiden hörte, übermannte ihn ein solcher Lachkrampf, daß er sich einen Hexenschuß zuzog und eine Woche krank geschrieben war. Diese Zeit nutze er, um die Fahrzeuge wieder fahrbereit zu machen.
Doch so kam es, daß alle Autos der Familie einen Schaden hatten und Christa, die sich eigentlich ein neues kleines Cabrio kaufen wollte, verzichtete erst einmal darauf. Anna fand das Weihnachtsfest unter der Sonne der Karibik toll. Sie war top gebräunt und würde damit ordentlich vor ihren Freundinnen angeben können. Außerdem würde es sicher auch bei den Jungs gut ankommen.
Ähnlich war es auch mit Sabine. Sie hatte den Urlaub genossen, sich von der Sonne verwöhnen lassen und würde jetzt mal wieder bei Chris, ihrem Dauerfreund, anrufen. Das Vater Arno diesen Betreiber eines Sonnenstudios und neuerdings Automatenaufsteller nicht mehr in seinem Haus sehen wollte, hatte sie schon wieder vergessen. Sie mußte ihm doch zeigen, welche Bräune die karibische Sonne auf ihrem Körper hervorgerufen hatte…

III. Vorbereitung für das nächste Fest

„Dieses Jahr wird es wieder ein ganz traditionelles Fest!“, rief Christa auf dem Flughafen aus. „Du“,damit meinte sie Arno, „rufst morgen bei dem Bauern mit der Weihnachtsbaumplantage an und sagst ihm das wir am nächsten Wochenende kommen, um einen Baum auszusuchen.“ „Schatz“, erwiderte Arno, „ es ist Anfang Januar. Die Bäume von diesem Jahr stehen noch in den Wohnzimmern.“ Dabei wußte er genau, das diese Widerworte keinen Erfolg haben würden. „Nichts da! Du rufst da an. Und frag gleich, ob er eine Gans hat, die wir Weihnachten haben können. Um die machen wir auch einen Zettel mit unserem Namen, so wie an die Tanne.“
Es war Brauch, daß die ausgesuchte Tanne mit einem Namenszettel versehen wurde, damit der Baum dann von keinem anderen geschlagen wurde. Allerdings erinnerte sich Christa daran, daß das vor zwei Jahren daneben ging. Irgendjemand hatte den Zettel ausgetauscht. Aus diesem Grund sagte sie deshalb: „Nein, Arno. Wir machen nicht nur einen Zettel an den Baum, wir graben ihn aus und pflanzen ihn bei uns in den Garten! Dann sehen wir wie er wächst und gedeiht, können ihn pflegen und gießen und vor allem, niemand kann ihn uns wegnehmen!“
„Und was machen wir mit der Gans?“, fragte Malte lachend „Nehmt ihr die auch gleich mit und bindet sie an der Tanne fest?“ Arno schaute ihn entgeistert und vorwurfsvoll an. Er ahnte was jetzt passiern würde. „Spitzenidee!“, rief seine Frau aus, „So machen wir das!“

IV Der Baum und die Gans

Arno schaffte es immerhin bei Mitte März den Termin bei dem Bauern hinauszuzögern. Doch dann gab es kein Zurück mehr. Er rief bei dem Bauern an und erklärte ihm die Situation und das Anliegen.
Der Bauer bog sich vor Lachen, hatte aber nichts dagegen, daß sie sich eine Tanne aussuchen und mitnehmen wollten. Auch Gänse hatte er und wollte der Familie Staude gerne eine verkaufen. So kam es also, daß Christa und Arno im März in der Plantage standen und eine Tanne aussuchten. Die Suche dauerte wie üblich sehr lange und der Bauer hatte sich darauf eingerichtet. Er hatte eine Kanne mit heißem Tee und ordentlich Rum dabei.
Als Christa ihre Auswahl nach fünf Stunden erfolgreich abgeschlossen hatte, mußte sie das Auto nach hause fahren – Arno saß zufriedend schlafend neben ihr.
Die Gans suchten sie am nächtsen Wochenende aus. Diese Auswahl verlief sehr schnell. Eine Gans kam aus der Gruppe auf sie zu und schnatterte gleich freundlich und schwiegte sich an Arnos Bein. Christa begutachtet das Tier. Sie hatte im Internet recherchiert und sich das Wichtigste angelesen. „Ja, die ist gut. Schönes festes Fleisch und nicht allzu viel Fett. Genau richtig. Die nehmen wir.“
Dann band sie tatsächlich ein kleines Namensschild mit dem Aufdruck Staude um den Hals der Gans.

V Heimarbeit ist schmerzhaft

In der Woche zimmerten die Männer der Familie eine Transportkiste für die Gans. Arno kaufte extra einen neuen Spaten und eine Spitzhacke, um die Tanne vernünftig auszugraben. Sohn Alex verletzte sich bereits bei dem ersten Handschlag den er für den Bau der Kiste machen sollte.
Er hatte die schwierige Aufgabe, die Werkzeugkiste aus dem Keller zu holen. Dabei griff er in einen Schraubenzieher und verletzte sich am kleinen Finger. Ein weiteres Mithelfen war jetzt natürlich nicht mehr möglich. Christa mußte ihn behandeln.
Allerdings lehnte sie es ab, einen Gipsverband um den Finger anzulegen. Sie nahm ein Pflaster und auch dieses hielt sie für Verschwendung. Als Arno erfuhr, daß es sich lediglich um einen Kratzer gehandelt hatte, drückte er Alex den alten Spaten in die Hand und beauftragte ihn mit dem Aushub des Loches, in das der neue Baum geplanzt werden sollte.
Er fuhr mit Malte zu dem Bauern, um Baum und Gans abzuholen.
Alex nahm also den Spaten und bereits beim ersten Stich hätte er sich um ein Haar die Zehenspitzen abgetrennt. Doch der Zufall wollte es, daß in diesem Moment zwei Verehrer von Anna auf das Grundstück kamen. „Wollte ihr jeder zwei Euro verdienen?“, fragte er sie „Hier muß ein Loch gegraben werden. Die beiden schauten ihn an und lachten: „Für zwei Euro, fassen wir den Spaten nicht mal an!“
Doch doof war Alex nicht. „Seht ihr da oben das Fenster, das ist das Zimmer von Anna. Wenn ihr hier jetzt arbeitet, sorge ich dafür, daß sie euch von oben zusieht. Sie steht doch auf Jungs die anpacken können und ihre Muskeln zeigen. Also wenn ihr sie beeindrucken wollt, dann so.“ Das zog. „Du sorgst also dafür, das sie zusieht?“, vergewisserten sich die beiden. „Ja aber gewiss.“ Das Anna gar nicht zu Hause war, konnten die beiden ja nicht wissen. Die Bengels schnappten sich die Geräte.
„Los. Lauf nach oben und sag ihr Bescheid, dann fangen wir an.“ Als Alex nach oben ging, machte er kurz halt an einer Kiste, die noch vom Fasching auf dem Flur stand. In dieser Kiste lagen Kostüme und Perücken. Er nahm sich eine Perücke, setzte sie sich auf und stellte sich hinter die Gardine am Fenster und winkte. Sogleich begannen die beiden mit der Arbeit. Als er den beiden dann einen Handkuß zuwarf, zogen sie sich sogar die Pullover und Tshirts aus – es war Mitte März und noch bitterkalt – nur um Eindruck zu machen. Sie waren in Rekordzeit fertig.
Doch als sie dann an der Tür klingelten und sich gegebenfalls die Belohnung für ihre Arbeit abzuholen, wurden sie jäh enttäuscht. Denn außer Alex war niemand zu Hause und der öffnete natürlich nicht. Schon bald vergaß er die Angelegenheit – nicht jedoch die beiden Jungs.

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VI Staude – die Gans

Arno und Malte waren in der Plantage erfolgreich. Sie hatten den zukünftigen Weihnachtsbaum ausgegraben und auf dem Anhänger mit mindestens acht Spanngurten festgezurrt.
Sodann fuhren sie auf den Hof und nahmen die ausgesuchte Gans mit. Freundlich schnatternd saß sie nun in ihrer Box. Bei den Staudes angekommen watschelte sie nun durch ihr neues Zuhause. Auf dem Grundstück befand sich ein alter Schuppen. Davor hatte Arno einen großzügigen Außenbereich, begrenzt durch einen Zaun angelegt.
Als Arno jedoch das Schild mit dem Namen von dem Hals entfernen wollte, weigerte sich die Gans. Sie zog den Hals zurück und watschelte davon. „Na von mir“, grumelte Arno, „dann behälst das eben um. Außerdem haben wir so gleich einen Namen für dich: Staude.“
Auch der Baum paßte wie angegossen in das ausgehobene Loch und wuchs auch sofort an.

VII Staude – die Gans II

So ging der Sommer dahin. Christa pflegte die Tanne und malte sich schon aus, an welchen Ast welcher Schmuck kommen sollte.
Auch die Gans Staude machte sich prächtig. Sie wurde sehr ausgewogen gefüttert und immer wieder gewogen. Allerdings hatte sie es schon nach kurzer Zeit geschafft, den Zaun zu überwinden und auf dem gesamten Grundstück herumzulaufen. Das hatte auch zur Folge, daß sie sich auf der Terasse aufhielt und dort auch gefüttert wurde. Das hatte Christa zwar verboten, aber wenn die Kinder mit der Fütterung an der Reihe waren, hatten diese keine Lust, daß Futter bis zum Schuppen zu bringen, zumal Staude je sowieso schon auf der Terrasse war.
Staude war sowieso sehr gelehrsam und gehörte immer mehr zur Familie. An einem Abend hörten Christa und Arno Stimmen im Garten. Sie fürchteten sich, weil es Einbrecher gewesen sein könnten. Doch dann hörten sie, wie Staude wild und aufgebracht schnatternd auf die vermeintlichen Einbrecher zu kam. Schon bald darauf schrien diese laut auf rannten davon.
Am nächsten Tag erfuhren sie von Anna, daß David und Johann, die beiden Jungs, die das Loch für den Baum ausgehoben hatten, in der Schule nur auf dicken Kissen sitzen konnten. Sie erzählten etwas von einem hinterhältigen Luftgewehrschützen. Doch eigentlich hatten sie sich in den Garten geschlichen, um ein Blick durch das Fenster auf Anna zu erhaschen. Das sie dabei von einer Gans in die Flucht geschlagen wurden, konnten sie freilich niemanden erzählen.
Auch erzählten sie Anna noch nichts von dem Loch, das sie doch so imposant für sie ausgehoben hatten. Sie waren nur enttäuscht, daß Anna ihnen keine Komplimente machte. Das Anna die beiden gar nicht gesehen hatte, wußten sie bislang noch nicht…
Arno und ein bißchen auch Christa waren stolz auf Staude. Immerhin fühlte sie sich so zur Familie gehörend, daß sie diese beschützte. Staude konnte ihr Schicksal ja nicht ahnen.
Als Staude ein paar abende später wieder auf der Terrsasse gefüttert wurde, kam urplötzlich ein starkes Sommergewitter vom Himmel. Staude schaute Arno daraufhin traurig fragend an, ob sie tatsächlich durch den Regen zu ihrem Stall gehen mußte. Das brachte Arno nicht über sein Herz. Kurzerhand ließ er Staude in das Wohnzimmer und diese schlief friedlich auf dem Teppich ein.
Als die Familie nach Hause kam, schlief auch Arno und bis auf Christa fanden alle den Anblick der beiden Schlafenden richtig niedlich. Christa jedoch scheuchte beide auf. Staude in den Schuppen und Arno zum Rapport. In der Folgezeit jedoch ließen die Kinder Staude immer öfter in das Haus und sie fühlte sich bald im ganzen Haus gänsewohl. Bald ließ auch Christa sie in das Haus – freilich nur, wenn sonst keiner da war. Denn sie hatte Staude deshalb gekauft, um eine herrliche deutsche Gans am Heiligen Abend zu servieren und nicht um ein Haustier zu bekommen.


VIII Das Krippenspiel

Auch wenn Alex mittleweile 16 Jahre alt, wollte er unbedingt noch einmal an einem Krippenspiel mitwirken. Allerdings hatte er es nach zwei gescheiterten Versuchen aufgegeben, die verantwortungsvolle Rolle des Jesuskindes zu spielen. Außerdem hatte der Pastor der Gemeinde hierfür unlängst eine Puppe auf dem Kirchenflohmarkt gekauft. Doch bei den Vorbereitungen für das diesjährige Krippenspiel fand sich auch Alex wieder unter den Konfirmanten ein, die auch dies Jahr wieder das Krippenspiel in der Kirche zeigen wollten.
Und Alex bekam eine Rolle. Es war die Rolle des Sternes, der den drei Weisen den Weg leuchtete. Seine Aufgabe war es, auf einer Empore zu stehen und in leicht gebeugter Haltung den Stern darzustellen. Doch diese Rolle nahm Alex sehr, sehr ernst.
Er probte wann immer er konnte. Ein Kostüm hatte er auch erhalten. Es war ein gelber Stoffanzug, geschnitten wie ein Stern mit Schweif. Der eigentliche Stern war eine Kaputze, die er aufsetzen mußte. Auch wenn er dann nicht mehr viel sah, so setze er so oft es nur ging die Kaputze auf. Seine Beine bildeten den Schweif des Sternes. Allerdings war er dann sehr eingeschränkt, was die Bewegungsfreiheit betraff. Denn die Hosenbeine waren bis zu den Knien zusammengebunden, so daß er nicht vernünftig gehen konnte. Trotzdem trug er das Kostüm wann immer es möglich war. Das er sich peinlich machte, wenn er so maskeriert herum lief, störte ihn nicht.
Auch störte es ihn nicht, daß er von seinen Schulkameraden regelmäßig ausgelacht wurde, wenn er das Kostüm in den Pausen anzog, bisweilen sogar in der kleinen Pause. Auf das Gerede anderer gab Alex nichts. Er hatte nur zwei Freunde. Mit denen löste er mathematische Probleme, spielte Schach und roch an Bierkronkorken. Diese beiden wären jedoch nie auf die Idee gekommen, ihn auszulachen. Sie hatten selbst versucht an dem Krippenspiel teilzunehmen und waren kläglich gescheitert.
Da auch sie schon älter waren als die Konfirmanten, hatte der Pastor dennoch eine Aufgabe für sie gefunden. Sie sollten von einer anderen Empore aus Lampions halten und somit einen sternenreichen nächtliche Hintergrund darstellen. Doch diese Aufgabe überforderte die beiden total. Bereits bei der ersten Probe verließen sie ihre Nerven. Und das obwohl sie vier Tage lang geprobt hatten. Wobei natürlich auch Alex dabei.
Am ersten Probentag standen sie auf der Empore und ihnen schwanden die Kräfte. Nicht weil die Lampions zu schwer für sie waren – nein die Aufgabe machte sie mental so fertig, daß sie nahezu zu gleicher Zeit einen Schwächeanfall bekamen und die Lampions zu Boden stürzten, ohne größere Schäden anzurichten.
Der Pastor mußte dennoch die Rollen neu besetzen, da sie sich nicht mehr in der Lage fühlten es noch einmal zu probieren.
Von da verrichteten zwei Eisenstangen ihre Arbeit.

IX Ein Safe im Dezember

Sabine erlebte den Dezember mit Shopping und Weihnachtsmarktbesuchen. Am ersten Advent brachte sie Chris mit nach Hause und Arno war mal wieder auf den Plan gerufen diesen vor die Tür zu setzen.
Anna ließ sich mal von jenem und mal von diesem Jungen in die Stadt einladen. Sie wunderte sich zwar, daß weder David noch Johann sie ansprachen, aber es gab ja genug andere.
Die beiden hatten keine Traute mehr sie anzusprechen, immerhin gingen sie immer noch davon aus, daß Anna sie gesehen hatte und sie von dem Anblick wohl ziemlich enttäuscht gewesen war…
Malte indess versuchte sein Glück, wie schon so lange, bei seiner Traumfrau, doch in diesen Dingen war er nicht vom Glück verfolgt.
Und so mußte er sich damit begnügen die Tochter des Fleisches ab und zu nach Hause zu bringen. Doch dieses machte er eigentlich nur, um an die herrlichen Weihnachtssalami zu gelangen.
An einem Morgen sagte Christa zu ihrem Mann: „Ich kaufe heute einen kleine Safe.“ Verständnißlos schaute Arno aus der Zeitung auf. „Wöfür?“, fragte er und hatte gleich das Gefühl, daß er die Antwort gar nicht hören wollte. „Du weißt doch noch was im vorletzeten Jahr mit den Knödeln passiert ist!?“ Oh ja, da konnte sich Arno noch dran erinnern. Verehrer von Anna hatten ein Wetttessen veranstaltet und dabei alle Knödel aufgegessen. „Aber du kannst doch jetzt nicht einen Safe kaufen und darin Knödel und Rotkraut aufbewahren.“ „Oh doch,das kann ich. Bei Obi haben sie gerade einen im Angebot. Ich habe schon nachgemessen. Er paßt genau in die Ecke.“
Dabei zeigte sie mit dem Finger auf den Platz zwischen Kühlschrank und Speisekammer. „Du willst den Safe in die Küche stellen?“, Arno schaute seine Frau verständnißlos an. „Ja!“, entgegnete sie kurz und in einem Ton, bei dem Arno wußte,daß Wiederworte fehl am Platz, weil überflüssig waren.
„Kann ich dir vielleicht helfen?“ „Ja, der Safe ist ganz schön schwer. Den kann ich alleine nicht tragen. Also schnapp die unsere Söhne und kauf den Safe. Ich fahr zum Einkaufszentrum und kauf die Zutaten. Dann kann ich die nachher in den Safe legen. Übrigens, die Zahlenkombination werde nur ich und unser Rechtsanwalt wissen.!“
Also stand mitte Dezember ein Safe, gefüllt mit einem halben Dutzend Fertigpakete Knödel und ein halbes Dutzend Gläsern mit Rotkohl in der Küche der Staudes.

X Staude – Staudes und der Schlachter

Der Hauptbestandteil des Weihnachtsessen watschelte gerade an dem Safe vorbei als die Familie am dritten Advent einen Familienrat einberief. Es ging um die Frage, wer Staude am Heiligen Abend zu dem Schlachter bringen würde, oder wer zumindest den Schlachter anrufen würde, damit er Staude zum Schlachten abholen würde.
Die Töchter und Alex wiesen jede Verantwortung gleich von sich. Christa sagte, daß sie sich schon um die Beilagen kümmern müßte. Sie war froh über diesen Einfall. Den seit den ersten Herbststürmen lebte Staude komplett im Haus und Christa hatte sich eigentlich richtig an sie gewöhnt. So ging es eigentlich allen Familienmitgliedern.
Aber Malte dachte an die Fleischerstochter Nele und daran, wie er bei ihr Eindruck schinden konnte. „Kein Problem“, tönte er, „ ich bring sie dahin. Ist doch kein Problem.“ Die anderen wußten nicht, daß er das nur sagte,um bei Nele anzugeben.
Also stand Arno auf und verkündete: „ Also gut. Malte bringt am Heiligen Abend Staude zum Schlachter.“ Er war so froh, daß die Aufgabe nicht an ihm hängen geblieben war. „Aber du wirst Malte abe begleiten. Ich will nicht, das da etwas passiert.“, hörte er seine Frau sagen. Es war wieder dieser bestimmte Ton. Er schluckte und nickte.
Als die Familien den Rat auflöste, ging Arno direkt in die Kneipe und Malte in sein Zimmer. Hier lag Staude in seinem Bett und wollte wie so oft mit Malte kuscheln. „Oh Gott“, sagte er nun leise, „was habe ich da gerade gemacht. Das ist die blöde Nele doch gar nicht wert.“
Doch er wußte auch, das es jetzt kein Zurück mehr gab.
Christa hätte ihm das nir verziehen. Und auch Arno hätte es seinem Sohn nie verziehen, wenn er ihn nun alleine losgeschickt hätte. Nein! Sein loses Maul hatte ihm ein echtes Probleme eingehandelt. Ihm – und Staude auch. Arno und Malte sprachen nicht über ihre gemeinsame Aufgabe. Jeder für sich wußte zwar, daß er es eigentlich nicht über das Herz bringen würde, aber die beiden waren auch zu stolz, dem anderen gegenüber dieses einzugestehen. Und vor allem konnten sie es Christa nicht sagen.
Daß auch diese Staude eigentlich gar nicht mehr essen wollte und schon wußte, daß die Zubereitung ihr große Schwierigkeiten bereiten würde, wußten die beiden leider nicht. Aber keiner der drei sagte etwas und so ging die Zeit dahin, für die Staudes und Staude…

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XI Bald ist es soweit

Zwei Tage vor dem Heiligen Abend ging Anna und Sabine auf den Weihnachtsmarkt. Sie wollten die Geschenke für die Eltern kaufen. Alex hatten die beiden mitgenommen. Er hatte darum gebettelt. Schließlich war ein solcher Ausflug eine gute Gelegenheit, den Auftritt in seinem Kostüm zu proben. Also stolzierte er als Stern durch das Gedränge des Marktes. Seine Schwestern hatten nicht all zu viel Lust sich mit ihm abzugeben und nahmen keine Rücksicht darauf, daß er nicht so schnell hinter ihnen her watschelten konnte. Dennoch hatte Sabine Rücksicht auf Alex genommen. Sie hatte sich ihr Weihnachtsfraukostüm angezogen. Dieses zeigte fast mehr, als es verbarg. Christa hatte ihr verboten dieses Kostüm in der Öffentlichkeit zu tragen, aber das störte sie natürlich nicht. Die Männer waren verzückt von dem roten Oberteil und dem weißen Fellbesatz. Auch heute waren ihr die Blicke der Männer gewiß.
Schon bald hatten sie die Geschenke gekauft. Mutter Christa würde den für sie bestimmten Baumschmuck pflichtbewußt an den Weihnachtsbaum hängen – an die Seite, die zur Wand zeigt. Arno würde die Fünf – Euro – Geldbörse zu den anderen sieben Geldbörsen legen. Dann entdeckte Sabine Chris an der Glühweinbude und blieb bei ihm. Anna entdeckte eine Schmalzkuchenbude und steuerte darauf zu. In der Bude arbeiteten David und Johann. „Hallo ihr beiden.“, säuselte sie, „Habt ihr für mich eine Tüte?“ Da sie kein Geld mehr hatte, legte sie sich bei den Worten ordentlich ins Zeug und lächelte die beiden mit allem was sie hatte an. „Du sprichst ja mit uns. Da haben wir dich also nicht enttäuscht.“, entgegneten die beiden aus einem Mund. „Wieso soll ich denn nicht mit euch reden?“
Dann erzählten sie die Geschichte mit dem Aushub. Anna erzählte, daß sie an diesem Tag gar nicht zu Hause war. Den beiden dämmerte in diesem Moment, daß sie Alex ordentlich auf den Leim gegangen waren. Es war ihnen auch ziemlich peinlich, daß sie mit freiem Oberkörper im Garten gestanden haben – und einzig Alex zugesehen hatte. Der Zufall wollte es, daß nun Alex angewatschelt kam. Anna verspeiste gerade ihre Gratistüte Schmalzkuchen.
„Hallo Du“, begrüßte David ihn, „hast Du vielleicht auch Lust auf eine Tüte.“ Alex wog das Angebot ab und konnte keinen Nachteil sehen.
Daß Johann gerade dabei war die Rohlinge der Schmalzkuchen in das Ölbecken geben wollte, erkannte er nicht. Aber David hatte das erkannt. Er füllte eine Tüte und hielt sie Alex so entgegen, daß dieser vor dem Ölbecken stand. Gerade als Alex zugriff gab Johann die Teigrohlinge in das Becken. Das Öl spritzte auf. Als sich die Wolke aus Ölspritzern wieder gelegt hatte, schaute Alex an sich herab.
Das Kostümwar über und über mit Fettspritzern besprenkelt. Er schluchzte, er heulte. In diesem Moment war auch das diesjährige Krippenspiel für ihn wieder gelaufen. Eine Reinigung war nicht mehr möglich. Er war am Boden zerstört. Die Rolle des Sternes würde von einem Stern aus Pappe übernommen werden, der mit einer Eisenstange an der Ampore befestigt sein würde.

XII Auf zum Schlachter

Nun war der Heilige Abend da.
Arno und Malte buddelten am Morgen den Baum aus und stellten ihn im Wohnzimmer auf. Sie wunderten sich über einige braune Flächen am Baum. Sie konnten ja nicht wissen, daß David und Johann in der Nacht zuvor im Garten waren, um noch einmal ihren Frust abzubauen. Daß sie vorher zwei Liter Glühwein getrunken hatten, war nicht von Nachteil, und erklärte die braunen Flecken.
Christa hatte den Safe geöffnet und die Beilagen herausgenommen. Sie stand in der Küche und war mit den Vorbereitungen beschäftigt. „Ich benötige so langsam die Gans.“, sagte sie. Bei diesen Worten kam Staude in die Küche gewatschelt und Christa lief eine Träne über die Wange.
„Na gut. Dann ist das wohl so.“, sagte Arno und rief Malte.
Dann riefen die beiden Staude und diese watschelte hinter den beiden her. Sie ging davon aus, daß dies ein ganz normaler Spaziergang wird.
Auf demWeg zum Schlachter kamen sie an einem Wirtshaus vorbei. „Komm trinken wir noch einen.“ „Ja, das sollten wir machen.“, antwortete Malte.
Nach dem fünften Schnaps schaute Malte seinen Vater an und sagte mit Tränen in den Augen: „Ich kann das nicht. Wir können doch nicht Staude zum Schlachter bringen.“ „Da bin ich ganz deiner Meinung, mein Sohn. Aber was sollen wir denn machen. Wenn wir jetzt eine tiefgekühlte Gans kaufen, dann merkt Christa das, außerdem wird die bis heut abend niemals fertig.“
In diesem Moment hatte Malte eine Idee. „Wir sagen einfach, daß uns Staude davon gelaufen ist. Dann besorgen wir Spaghetti und machen die. Das hatten wir vor zwei Jahren doch auch.“ „Das hört sich gut an. Aber wo verstecken wir Staude. Die läuft doch sofort nach Hause. Den Weg dahin kennt sie doch.“
In diesem Moment kam Chris durch die Tür. Er wollte bei dem Spielautomaten nach dem Rechten sehen. „Chris, komm mal her, dich schickt der Himmel.“, sagte Arno. Chris schaute verwundert und befürchtete, daß Arno es mitbekommen hatte, daß er sich wieder regelmäßig mit Sabine getroffen hatte. Vorsichtig und abwehrbereit näherte er sich dem Tisch. „Paß auf mein Junge. Wenn du uns jetzt einen Gefallen tust, heb ich das Hausverbot auf. Du fährst uns jetzt zum Supermarkt. Dann fährst du uns nach Hause. Und das Wichtigste, du mußt Staude bis heut abend bei dir aufnehmen. Dann kommst du zu unserem Weihnachtsessen und sagst, daß sie vor der Tür gestanden hast. Und ganz wichtig: keine weiteren Fragen.“
Chris verstand nichts. Er hörte nur, das Hausverbot soll aufgehoben werden. Also lud er die Drei in seinen tiefergelegten BMW und sie fuhren los.

XIII Wo ist die Gans?

Arno und Malte kauften Spaghetti und Tütensoßen und ließen sich zu Hause absetzen. Staude bleib im Auto und schaute den beiden hnterher. „Staude ist weggelaufen!“, rief Arno, als er die Haustür aufgeschlossen hatte.
„Was!“, rief Christa und Arno kannte diese Stimmlage.
Wir waren fast beim Schlchter angekommen, da hat sie reißaus genommen und lief weg. Wir haben sie noch überall gesucht – aber ohne Erfolg.“, ergänzte Malte. „Ja und dann hat uns Chris noch geholfen, sie zu suchen, brachte aber auch nichts. Er war aber so nett und hat uns noch zum Supermarkt gefahren. Dort habe ich dann Spaghetti und Soßen gekauft. War doch vor zwei Jahren auch ganz schön.“
Das Arno noch sagte, daß er Chris zum Abendessen eingeladen hat, nahm Christa nicht mehr wahr. Sie war kurz vor einer Ohnmacht. Alles, aber auch wirklich alles hatte sie geplant und nun dies. Allerdings wußte sie auch, daß eine tiefgefrorene Gans nun nicht mehr bis zum Abendessen fertig sein würde. Zudem hatten auch die Geschäfte mittlerweile zu. Sie starrte auf die Knödel und das Rotkohl und schüttelte nur noch mit dem Kopf.

XIV Das Abendessen

Und so kam der Abend. Bis auf Arno und Malte waren alle betrübt, weil Staude weg war.
Und auch Christa war mittlerweile nur noch deshalb betrübt, weil Staude weg war. Sie war froh, daß sie sie nicht im Bräter mit ihrem eigenen Fett übergießen mußte. Jetzt fehlte ihr Staude als Hausgenosse.
Nach der Bescherung, an der auch Alex teilnahm, allerdings ohne jede Freude, gingen Arno und Malte in die Küche und bereiteten das Essen zu. Christa hatte hierzu keine Kraft.
Dann klingelte es und Chris stand vor der Tür. „Schaut mal, wer hier vor der Tür stand.“ „ Staude! Du hast wieder nach Hause gefunden!“
Alle Familienmitglieder herzten und knuddelten die Gans. Staude war genau so glücklich und gackerte fröhlich drauf los.
Sodann saß die gesamte Familie im Wohnzimmer und erfreute sich an dem festlich geschmückten Baum. Sie machten sich über die riesige Schüssel Spaghetti und den Soßen her. „Na ja, ein solches Essen hat bei uns jetzt auch schon Tradition!“, lachte Christa.
Während die Familie also friedlich und vergnügt am Tisch saß, schlief Staude friedlich vor dem Weihnachtsbaum.
Sie hatte ihre Spaghetti bereits mit Wonne verspeist.

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